Work in progress
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer Philosophie nüchterner Eleganz. Schon die luftige, zweckmäßig schlichte Zugangs- und Garderobenhalle im Parterre setzt den Ton.
Die sich hinten in weiten Halbbögen zum Foyer aufschwingenden Treppen bringen dezente Dynamik in den Raum. Über sie erreicht man einen breiten Wandelgang, der das Herzstück des Ganzen umläuft: den Stora Salen. Dieser große Saal, komplett mit Holz verkleidet, bietet eine exzellente Akustik: Sind die 1250 Plätze voll besetzt, liegt die Nachhallzeit zwischen optimalen 1,7 und 1,9 Sekunden. Kein Zufall, dass das Göteborger Konserthus auch als Aufnahmestudio dient. Und erst recht kein Wunder, dass es Stammsitz der Göteborger Symphoniker ist.
Außerhalb Schwedens hat vor allem Neeme Järvi den 1905 gegründeten Klangkörper bekannt gemacht. Seine Zeit als Musikdirektor (1982-2004) nutzte der estnische ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Albrecht Thiemann
Nach der Pause – Gustavo Dudamel war gerade, den Lockenkopf demütig geneigt, mit einigen Bravos geduscht worden und suchte den Stab zum dritten Akt zu heben – sandte ein Zuschauer aus dem Rang eine giftgrün-wienerische Sprechblase in den Raum: «Nimm a Partitur, dann klingt’s vielleicht besser ...» Was hatte den Zwischenrufer so erbost? Dass der Venezolaner, der ja...
Auf den Trank wurde schon andernorts verzichtet. Tristan und Isolde, das ist ja längst Regie-Common-Sense, brauchen für den Rausch keine Droge. Hier drängt es sie nach vorn an die Rampe, während hinten vertikal rasende Projektionen freien Fall suggerieren. Viel mehr geht nicht in diesem Raum, in dem sich auch Dressuren und Clowns denken lassen und der in einer der...
Als ob es eine tief strömende, die Richtung ändernde Bewegung gäbe, vertrauen Komponisten wie Michael Wertmüller, Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka, Johannes Kalitzke in jüngster Zeit wieder der Narration in ihrem Musiktheater, nennen es gattungsgerecht Oper. Auch Hans Thomallas neues Werk «Kaspar Hauser», eine «Oper in drei Akten», schreibt und schreitet einen Weg...
