Auf Springteufel komm raus
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges Insert im Fernsehprogramm, ein leuchtend roter El Greco, nicht ohne Eleganz also, nur leider mit eklatantem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.
Ganz famos dribbelt und klettert, tänzelt und schwebt der geradezu akrobatische Florian Anderer durch den Bühnenraum, er zippelt und zappelt und grimassiert den ewigen Tollpatsch. Mit einem solchen Hanswurst ist kein Blumentopf zu gewinnen. Dass er als Schlusspointe Agathe unter den Brautrock schlüpft, um auf doch noch wahrhaft diabolische Weise in ihren Körper zu fahren – so viel Grips war ihm weiß Gott nicht zuzutrauen.
Denn IQ-mäßig schenkt sich der Fürst der Finsternis nicht viel mit den bäuerlichen Bodentruppen: Victoria Behr hat sie in quietschbunte Tracht gekleidet, kunstvolle Botanik auf den Köpfen; Kuno und sein Waidmannspersonal leiden unter primatenhafter Gesichtsbehaarung. ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Clemens Prokop
Die Probleme gehen schon mit den Sprechtexten los. Mit dem pausbäckig-hölzern die vielstimmige französische Vorlage (Jean Nicolas Bouilly) nivellierenden Deutsch des Wiener Hoftheatersekretärs Joseph Sonnleithner, das auch in der Bearbeitung von Friedrich Treitschke nicht wirklich zündet. Schon Wieland Wagner hatte bei seiner Stuttgarter «Fidelio»-Inszenierung...
Heute fragt man sich: Wo war damals das Problem? 1977, als der ORF, also das österreichische öffentlich-rechtliche Fernsehen, die «Staatsoperette» sendete – und ein Sturm der Entrüstung losbrach. Casus belli war ein Film von Franz Novotny, mit starkem Musikanteil. Man könnte auch von einer Fernsehoper sprechen. Es handelte sich um eine zugegeben etwas zugespitzte...
Beethovens «Fidelio» war von Anfang an ein fester Pfeiler der Spielplanpolitik der Salzburger Festspiele. Einige der legendär gewordenen Aufführungen sind auf Tonträgern überliefert, Maßstäbe für spätere Zeiten setzte vor allem Wilhelm Furtwänglers Aufnahme von 1950 mit Kirsten Flagstad und Julius Patzak in den Hauptrollen.
Die Produktion von 1983, deren...
