Volksgroteske

Bregenzer Festspiele I: Erstmals schaffte es Otto M. Zykans «Staats­operette» auf die Bühne – fast vier Jahrzehnte nach der TV-Premiere

Opernwelt - Logo

Heute fragt man sich: Wo war damals das Problem? 1977, als der ORF, also das österreichische öffentlich-rechtliche Fernsehen, die «Staatsoperette» sendete – und ein Sturm der Entrüstung losbrach. Casus belli war ein Film von Franz Novotny, mit starkem Musikanteil. Man könnte auch von einer Fernsehoper sprechen. Es handelte sich um eine zugegeben etwas zugespitzte Geschichtsstunde. Erzählt wurde allerdings nichts, was man nicht ohnehin wusste in Österreich. Was damals aber keineswegs bedeutete, dass man es auch wissen wollte.

«Staatsoperette» schildert den Weg der Republik von 1920 bis 1938, bis zum sogenannten «Anschluss» an Nazideutschland. Mit allen Spielarten des Austrofaschismus und dessen Vertretern. Worüber die Leute sich 1977 wohl am meisten aufregten: Österreich als «erstes Opfer Hitlers» zu bezeichnen, ist da nicht mal im Märchen möglich.

Die Folgen der Empörung: Die Karriere des Regisseurs Novotny im ORF war beendet, und die Musik von Otto M. Zykan fiel dem Vergessen anheim. Es sollte 39 Jahre dauern, bis das Werk in der Gestalt zu erleben war, die sich seine Macher ausgedacht hatten – schon vor der Erstausstrahlung war der Film gekürzt und entschärft worden, offenbar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Egbert Tholl

Weitere Beiträge
Editorial

Ach ja, das hätten wir beinahe vergessen: Die Deutsche Phono-Akademie hat mal wieder so richtig gefeiert. Sich selbst. Aber natürlich auch jede Menge «Stars». Und solche, die das noch werden sollen. Dreimal dürfen Sie raten, welche Sängerin bei der Echo Klassik-Gala am 9. Oktober im Berliner Konzerthaus ganz oben landete. Na? Na? Richtig: Anna Netrebko. Und wer hat...

Mal hier, mal dort

Gerade als Gilda ihre Seele aushauchen will, fährt in einiger Distanz ein Zug vorbei, pflügt akustisch diskret durch das Dolcissimo von «Lassù in ciel». Schlimm ist das nicht. Die klug konzipierte, die Bühne fast hermetisch umschließende Zuschauerarena legt Außengeräuschen den Finger auf die Lippen. Überdies trotzt die Chinesin Sen Guo als Gilda den gedämpft...

Zurück auf Null

«Unaufführbar», ganz schnell pflegt dieses Fallbeil ausgelöst zu werden. Als ob man mit ein, zwei Reflexionsumdrehungen mehr nicht zu anderen Schlüssen kommen könnte. Vielleicht weniger im Alltagsgeschäft des Stadttheaters. Aber für den Ausnahmefall «Festival» wäre das doch eine genuine Aufgabe: nicht das Naheliegende wie Gounods «Faust» zu realisieren oder...