Zurück zur Tradition?
Es ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen für den Kulturbetrieb, dass die Debatten um die großen Institutionen primär den Namen gelten. Aus der Sache heraus wird selten argumentiert. Stattdessen erhält die obligate Frage: Wer wird’s? immer mehr Gewicht. Noch bei der Soap Opera um die Bayreuth-Nachfolge konnte man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass es nicht in erster Linie um Konzepte, gar Zukunftsvisionen ging, sondern weit mehr ums politisch-personale Kräftegeschiebe.
In Erinnerung sind noch die endlosen Spekulationen und Gerüchte, wer denn nun Karajan bei den Berliner Philharmonikern beerbe – ein Vorgang, der sich, auf niedrigerer Flamme, beim Wechsel von Claudio Abbado zu Simon Rattle wiederholte. Nun, Bayreuth ist ein Festspiel-Unternehmen, die Berliner sind vor allem ein Konzertorchester.
Bei den Opernhäusern sind Strukturen und Ansprüche sehr viel komplexer: Sie sollen möglichst viel spielen, ein quantitativ wie stilistisch-zeitlich breitgefächertes Repertoire anbieten, Stars präsentieren, Tradition und Moderne verbinden und dabei neue und neueste Tendenzen des Komponierens, aber auch der Theaterästhetik, inklusive Tanz, Film, Video und Performance, einbeziehen. Zugleich ...
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Eine Neuproduktion von «Lucrezia Borgia» gibt es nicht alle Tage. Auch an der National Opera in
Washington wäre das Stück wohl kaum in Erwägung gezogen worden, wenn Renée Fleming nicht zugesagt hätte, die Titelpartie zu übernehmen. Vor zehn Jahren hat die Sopranistin diese Lucrezia schon einmal gesungen, an der Scala – und wurde dort von den berüchtigten...
«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer...
