Erkenntnis und Sinnlichkeit
«Who is Silvia? What is she ...» Und dazu die berühmte, frivol getupfte Klavierbegleitung Franz Schuberts: Kannte man das nicht anders, auf Deutsch? Dabei steht, man kann sich gar nicht satthören, dem Lied «An Silvia» der englische Originaltext aus «Twelfth Night», aus «Was ihr wollt» also, ganz ausgezeichnet. Vor allem gehört das Stück dringend auf ein Konzeptalbum wie dieses, das sich Shakespeare-Vertonungen widmet – jenen damals während der Aufführung gesungenen Song-Einlagen, von denen nurmehr die Texte erhalten sind, doch leider keinerlei Note.
«Konzept», das mag zunächst abschrecken. Aber Ian Bostridge und Antonio Pappano, der auch am Flügel so bravourös und partnerschaftlich, so animierend und symbiotisch wie am Pult agiert, steht der Sinn nicht nach klingender Didaktik, sondern nach Sinnlichkeit, dies gepaart mit großer Erkenntnislust. Der Bogen spannt sich von frühen Vertonungen Thomas Morleys, William Byrds und Robert Johnsons, die als Zeitgenossen Shakespeares die damalige Theatermusik mutmaßlich kannten, über Randerscheinungen wie Roger Quilter und Peter Warlock bis hin zu Poulenc, Britten oder Strawinsky.
Manche Texte sind in mehrfachen Vertonungen vertreten. Und man ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Markus Thiel
Im Sommer hatte ich ein paar Wochen frei. Ich verbrachte sie – selbst ist der Tenor! – damit, meiner Tochter eine neue Küchenzeile zu bauen.
Viele Leute sind mächtig überrascht, wenn sie hören, dass Sänger durchaus eine Bohrmaschine von einem Akkuschrauber unterscheiden können. Dabei habe ich schon Wände hochgezogen, Heizungsrohre und Fliesen verlegt oder...
Manchmal wird einem bewusst, wie eng Erfolg und Vergessen einander verbunden sind. Zdenek Fibich? Da war doch was: ein kleines melancholisches Stück, «Poème», Opus 41. Vor allem an dieses dachte eine breitere Öffentlichkeit, wenn der Name des böhmischen Komponisten fiel. Sonst kannte man dessen vielfältiges Œuvre außerhalb Tschechiens nur wenig. Eher noch seine...
Wer gibt den Befehl? Gott! Wer führt ihn aus? Wir! – Die Rede ist von einem Befehl zu einem Mord, der im Namen des Herrn, für eine cause sainte verübt werden soll. Erteilt wird er in der Oper eines Komponisten, den seine Familie für einen «Schwarzseher» hielt: in «Les Huguenots» von Giacomo Meyerbeer. Wie beim Ritual einer Schwarzen Messe lassen sich fanatische...
