Kreativer Pragmatismus
Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen Verfassungskompromiss zwischen den Vertretern der Dynastie und ihren Untertanen.
So wie es in Ruggero Leoncavallos schmissiger Operette «Die Rosenkönigin» aus dem Jahr 1912 vorgesehen war und jetzt in Erfurt das erste Mal über eine deutschsprachige Bühne ging. Für solche Spielplaneffekte hat Generalintendant Guy Montavon ein Händchen. Solch eine Ausgrabung bringt dem (Operetten-)Fan allemal einen Aha-Effekt, selbst wenn man sich vom Philharmonischen Orchester etwas mehr Esprit gewünscht hätte. So wie es bei der höchst gelungenen Wiederbelebung von Kálmáns selten gespielter «Bajadere» im Jahre 2003 zum Beispiel der Fall war. Für den Höhepunkt seiner laufenden «Bin beim Italiener»-Spielzeit hält Montavon dieses zwar unterhaltsame, aber von Peter Brenner zu bieder in Szene gesetzte Operettenschmankerl selbst nicht. Das steht mit Johann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Norma» ist in Regensburg eine Sängeroper, was Georgios Vranos mit dem gleichermaßen kraftvoll aufspielenden wie geschmeidig begleitenden Philharmonischen Orchester unterstreicht. Die Solisten nutzten alle Möglichkeiten, ihre Qualitäten in den Dienst der Tragödie zu stellen. Christina Lamberti trumpfte mit tragender Stimme auf. «Casta diva» begann sie...
Oft geht dramaturgischer Ehrgeiz dahin, das veristische Dioskurengespann «Cav/ Pag» zu trennen und mit anderen Partnern zu kombinieren. Manche Regisseure unterstreichen lieber die Gemeinsamkeiten. Giancarlo del Monaco führte vor Jahren in Bonn alle Figuren zu einem schicksalsschweren Finale zusammen, etwas simpler operierte in Gelsenkirchen Gabriele Rech in...
Nicht jede Gnade muss auch eine Ehre sein. Ernst Pepping beispielsweise findet seinen Namen auf der sogenannten «Gottbegnadeten-Liste» jener Musiker, die dem NS-Staat so schützenswert erschienen, dass sie auf «Befehl des Führers» als «lebendiges Kulturgut des deutschen Volkes» vom «letzten Aufgebot» des totalen Kriegs freigestellt wurden. Und wie Harald Genzmer,...
