Neun Tote für alles
Snape Maltings mag von herrlicher Natur umgeben sein – als Spielort für naturalistische Inszenierungen eignet sich die alte Mälzerei, die Benjamin Britten für sein Festival zur Konzerthalle umbauen ließ, eher weniger. Regisseur Neil Bartlett versucht sich daran gar nicht erst. Er lässt die Kulissen von einer neunköpfigen Schlägertruppe umräumen. Hölzerne Stellwände fungieren hier als Schultafel in Coyles Militärakademie, dort als verblichen tapezierte Rückwand, vor der die Familie berät, wie man Owen die pazifistischen Flausen austreiben kann.
Später werden sie zum beengenden Spukzimmer zusammengeschoben, in dem Owen, von Kate Julian zur Mutprobe angestachelt, die Nacht verbringt und seinen rätselhaften Tod stirbt. Die zeitgenössischen britischen Armee-Uniformen der Kulissenschieber lassen keinen Zweifel daran, dass man sich beim Aldeburgh Festival für eine brutal-militaristische Lesart von «Owen Wingrave» entschieden hat. Den neun Schauspielern – im Programmheft als «die Toten» ausgewiesen – obliegen noch weitere Aufgaben: Sie verkörpern die Mitglieder der Ahnengalerie, die auf die Auseinandersetzung zwischen Owen und der Wingrave-Sippe herabblicken, und drohen an anderer Stelle ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Tom Sutcliffe
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