Aus dem Zylinder

Verdi: Simon Boccanegra Lyon / Opéra

Opernwelt - Logo

Im ungedruckten, aber in vielen Köpfen verankerten Regie-Warnbuch gilt so etwas als schwere Sünde: Zwischentitel und Verdoppelungen à la «Maledetto» oder Amelia «mit fünf», «mit zwanzig», «mit fünfundzwanzig», alles auch noch als Kreidezeichnung illustriert. Und wenn die Partitur sachte Streicherdünung fordert, kräuseln sich hinten die Wellen als nette Krikelkrakelskizze. Bei Dirigenten mag Verdis «Simon Boccanegra» Zungenschnalzen provozieren, bei Regisseuren weckt das Stück angesichts der verzwickten Handlung den Nachhilfelehrer.

Das kann problematisch ausgehen wie kürzlich in Dresden, Jan Philipp Gloger stand sich dort mit allerlei Personenverdoppelungen irgendwann selbst im Wege. Oder eben glückhaft wie gerade in Lyon.

Seit fünf Spielzeiten ist der 36-jährige Schauspielmann David Bösch im Opernfach unterwegs. Viel hat er dort schon inszeniert. So viel, dass man den Stil erkennt und ein wenig die Masche fürchtet. An der Opéra Lyon ist das noch gut ausgegangen. Sein «Simon Boccanegra» ist eine Art Mixtur aus seinem bezaubernden Münchner «Liebestrank»-Debüt und dem dortigen, verspielt-ernsten «Mitridate». Verdis Nachtstück nimmt Bösch wörtlich. Ein schwarzer Riesenzylinder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Mit Blick zurück nach vorn

Die Londoner Wigmore Hall, Lieblingskonzertsaal vieler Liedsänger und Kammermusikensembles, lädt regelmäßig herausragende Künstler zur Gestaltung einer eigenen Konzertreihe ein. In der Saison 2012/13 war Iestyn Davies «countertenor in residence». Die Mitschnitte von zwei seiner drei Konzerte sind beim hauseigenen Label der Wigmore Hall erschienen und zeigen zwei...

Was kommt...

Salzburg und Bayreuth
Harry Kupfer inszeniert für die Salzburger Festspiele einen neuen «Rosenkavalier» – mit Krassimira Stoyanova, Mojca Erdmann und Sophie Koch (siehe Seite 79) in den weiblichen Hauptrollen. Natürlich sind wir auch dabei, wenn Marc-André Dalbavie in der Felsenreitschule seine neue Oper «Charlotte Salomon» aus der Taufe hebt und Sven-Eric Bechtolf...

Pathos der Distanz

Seltsam. Auf ihrer Wagner-CD ist Anne Schwanewilms solistisch siebenmal zu hören: mit der Hallen-Arie der Elisabeth, dem Schlussgesang der Isolde und den Wesendonck-Liedern; diese Tracks dauern 32 Minuten und 25 Sekunden. Das Radio-Sinfonieorchester des ORF unter Cornelius Meister «füllt» die CD auf mit 33 Minuten und sieben Sekunden orchestraler Musik: der...