Tenoraler Solitär
Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen, die diesen Zeitraum von vierzig Jahren umgreifen und Kontinuität und Entwicklung seines Künstlertums dokumentieren.
Jürgen Kesting hat Dermota in seinem Buch «Die großen Sänger» zu Recht ein eigenes Kapitel gewidmet, denn er war einer der Unverwechselbaren, als Stimme wie als Interpret. Die Firma Telefunken bat ihn 1939 erstmals ins Studio, in einer Zeit, in der sich die Fachkollegen Peter Anders und Marcel Wittrisch bereits als feste Größen etabliert hatten. Die beiden Arien aus Massenets «Manon» zeigen den jungen Künstler bereits auf der Höhe seiner Möglichkeiten, insbesondere die entrückte Traumerzählung im beherrschten sotto voce ist eine Lektion. In den italienischen Partien klingt er weniger idiomatisch, doch beeindruckt er auch hier durch emotionale Tiefe und hohe Gesangskultur. Reiner Lyriker, der er war, fühlt er ...
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Henry James’ berühmte Novelle «The Turn of the Screw» hat seit ihrem Erscheinen 1898 nicht nur zahlreiche Dramatisierungen, sondern auch etliche Versuche inspiriert, die rätselhafte Geschichte einer Gouvernante, die in den Bann zweier vermeintlich von Gespenstern – den Wiedergängern ihrer verblichenen Diener – heimgesuchter Kinder gerät, mit cineastischen Mitteln...
Die jeweils am 11.11. ausbrechende fünfte Jahreszeit ist im Rheinland dem verordneten Frohsinn geweiht, und das lustige Treiben ergreift die Theater bis ins Ruhrgebiet. Aber das Leichte ist auf der Bühne bekanntlich das Schwerste. Als Jacques Offenbach 1858 in seinen Bouffes-Parisiens die komische Oper «Orphée aux Enfers» herausbrachte, war alles noch einfach. Da...
Herr Ainsley, Sie singen Monteverdi, Henze und Mozart, Lied, Oratorium und Oper. Gibt es auch etwas, was Sie nicht singen?
Ja, natürlich. Rossini interessiert mich einfach nicht, obwohl Rollen wie der Graf Almaviva eigentlich gut zu meiner schnellen Stimme passen würden. Aber für mich liegt das Problem im Charakter dieser Rollen: Das sind, wenn man von den späteren...
