Zwischenruf
Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in der Oper. Oben, auf der Bühne, knabbern sie wie wild aneinander herum, aber wehe, einer von uns käme auf die Idee, das selbst auch mal zu probieren, beim Pausensekt oder so, also im wahren Leben.
Kannst du vergessen, gibt stante pede eine Anklage wegen sexueller Belästigung. Oder gleich richtige Haue. Nicht mal gucken ist mehr erlaubt. Könnte ja zu tief reichen, der Blick.
Es ist wirklich zum Haareausreißen. Aber blanke Tatsache: Männer sind nurmehr Schlemihl’sche Schatten ihrer selbst. Erotische Wracks. Eckensteher. Schuld daran ist natürlich Adelbert von Chamisso. Aber nicht wegen der Schlemihl-Story. Sondern wegen seines Gedichtes «Frauenliebe und –leben». Erstaunlich genug, dass Carl Loewe und Robert Schumann diesen Käse auch noch vertont haben. Egal. Jedenfalls wäre es besser gewesen, der Dichter hätte geschwiegen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Jürgen Otten
alpha
02.09. – 20.15 Uhr
Wagner: Tristan und Isolde, 3. Aufzug
Aus dem Herkuslessaal der Münchner Residenz
Aufzeichnung der konzertanten Aufführung (1981) mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Leonard Bernstein.
arte
02.09. – 17.40 Uhr
Seiji Ozawa dirigiert Beethovens 7. Symphonie
Aufzeichnung des Konzerts im Rahmen des 1992...
Im Dezember 2016 hatte das Nationaltheater Mannheim einen internationalen Regiewettbewerb für eine Inszenierung von Mozarts «Don Giovanni» ausgeschrieben. Als Sieger gingen unter den 50 Einreichungen aus sieben Ländern zwei junge Russinnen, die Regisseurin Ekaterina Vasileva und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Sonya Kobozeva, hervor. Ihr Konzept - «das...
Sie stehen für eine unorthodoxe, sinnesprall-sinnstiftende Werktreue, die sich nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt, aber immer lange nachklingt: der Regisseur Stefan Herheim und der Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach. Was befeuert die Teamarbeit des Duos, das zuletzt Debussys «Pelléas et Mélisande» in Glyndebourne, Rossinis «Cenerentola» in Lyon,...
