Zwischenapplaus

Michael Hofstetter macht in Gießen mit Verdis «Oberto» Lamberto Gardelli und Neville Marriner Konkurrenz

Opernwelt - Logo

Das Verdi-Jahr auf Silberscheiben? Im Grunde eine Enttäuschung. Gut, diverse Star-Recitals wurden produziert, doch das eher für die schnelle Kasse, weniger für erhellende Neuansätze. Zum Thema Gesamtaufnahmen, so suggeriert es die vereinigte Label-Front, scheint ­alles gesagt. Fast, wie ein Live-Mitschnitt aus dem Gießener Stadttheater zeigt. Und dann auch noch «Oberto», jene erste Oper des Meisters, die zwar fest in den Formen der Belcanto-Ära wurzelt, aber schon jene Energieausschläge erreicht, die auch den frühen Verdi unwiderstehlich machen.

Aus drei konzertanten Aufführungen entstand diese Einspielung. Und sie hat harte Konkurrenz auf dem Markt. Doch das betrifft eher die Sänger. Gegen die Dirigenten Lamberto Gardelli und Neville Marriner kann sich Michael Hofstetter mehr als behaupten. Der Gießener Chef, sozialisiert durch die Alte Musik, hat sich tief in die Partitur ­hineingedacht. Und er macht nicht den Fehler, dieses Früh-Stück mit krachenden Rhythmen und schrundigen Akzenten aufzudonnern. Überrumpelnde Verve, dramatische Zuspitzungen, treibendes Brio, all das gibt es auch bei Hofstetter. Aber dazu eben viel Klangbewusstsein, Substanz, Auflichtungen – und ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Sterben an der Liebe

Die 1910 uraufgeführte heroische ­Komödie «Don Quichotte» ist zwar nicht Jules Massenets letzte Oper, aber wie Verdis «Falstaff» ein künstlerisches Testament. Elisabeth Stöppler, die in Gelsenkirchen mit einem viel beachteten Britten-­Zyklus und zuletzt mit einer verstörend faszinierenden Sicht auf Dvoráks «Rusalka» Aufsehen erregte, hat Massenets Weltabschiedswerk...

Angeschnitten

Ein Torso. Die Geschichte eingedampft. Der Mythos gerupft. Zugespitzt, radikal kenntlich gemacht, sagen die Autoren. Für einen wie Ödipus kann es kein Erbarmen geben, keine Heilung und keine Himmelfahrt. Für einen, der, von verborgenen Mächten getrieben, den Vater tötet und die Mutter ehelicht, kann es nur die Erkenntnis geben, dass die Welt finster ist und der...

Kultiviert tönt's aus Zottelfellen

Ein neuer Operntypus erobert die Bühnen: die «Familienoper», ein Hybrid, der das schon existierende Genre der Kinder- oder Jugendoper so weit öffnen soll, dass sich auch der «erwachsene» Teil des Publikums nicht langweilt oder intellektuell unterfordert fühlt. Ein Balanceakt, bei dem man leicht nach der einen oder anderen Seite abrutschen kann. In Constantin von...