Kultiviert tönt's aus Zottelfellen
Ein neuer Operntypus erobert die Bühnen: die «Familienoper», ein Hybrid, der das schon existierende Genre der Kinder- oder Jugendoper so weit öffnen soll, dass sich auch der «erwachsene» Teil des Publikums nicht langweilt oder intellektuell unterfordert fühlt. Ein Balanceakt, bei dem man leicht nach der einen oder anderen Seite abrutschen kann. In Constantin von Castensteins Libretto zu der als «multinationale Polarkomödie» ausgewiesenen «Prinzessin im Eis» geschieht das leider unentwegt.
Es geht um eine Expedition, die im grönländischen (Rest-)Eis genetische Proben ausgestorbener Tierarten bergen soll. Doch die Crew erweist sich als inkompetent. Die Vertreter der beteiligten Nationen pflegen hauptsächlich ihre nationalen Eigenheiten: Der Deutsche besteht auf Ordnung (gemäß Handbuch), die Russen saufen, die Französin ist eine kettenrauchende Emanze, der US-Amerikaner ein sicherheitsneurotischer Geheimdienst-Pistolero, der Brasilianer leidenschaftlich, und der Afrikaner friert. Über ein durch Zufall entdecktes Erdgasvorkommen gerät die Truppe in Streit. Ein Rudel singender Eisbären (der Männerchor des Aachener Theaters tönt kultiviert aus seinen Zottelfellen) mahnt: «Ihr perforiert ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Ingo Dorfmüller
Die Zeitgenossen gaben sich nicht nur gnädig, sondern begeistert. «Nahezu jede größere Nummer» habe wiederholt werden müssen, notierte 1841 ein Besucher der Uraufführung im Wiener Kärntnertortheater. Was für eine Bilanz für «Mara» von Josef Netzer! 14 Abende in Wien, es folgten Prag, Berlin, Mainz, Hamburg, Hannover, Braunschweig und Kassel. Und dann das große...
Es ist ruhig geworden um die Kölner Oper. Nach den Eruptionen, mit denen die kurze Intendanz von Uwe-Eric Laufenberg zu Ende gegangen ist, mag man das als Wohltat empfinden. Doch die Ruhe ist teuer erkauft: Der Spielplan wird drastisch ausgedünnt, die Mittel schrumpfen, und hinter den Kulissen köcheln noch immer die gleichen Querelen.
Produktionen von hohem Rang...
Sie heißen «Passion», «Maria Magdalena», «Im Anfang», «Weinstock» oder «Geist». Sie sind durchnummeriert, von I bis IX, doch die Reihenfolge spielt keine Rolle. Sie kreisen um Texte aus dem Johannes-Evangelium und der Apostelgeschichte, um apokryphe Quellen (Thomas-Evangelium) und die «Sprüche der Väter» (Pirqe Avot) aus dem babylonischen Talmud. Sie suchen in...
