Zwei Ansichten

Essen, Verdi: La forza del destino

Opernwelt - Logo

Trabuco sitzt vorn und schält Möhren für seinen Esel. Hinter ihm läuft das Volk auf und ab, hat Schutz gesucht vor dem Regen. Es ist eine böse Zeit. Krieg im Land.
Dietrich Hilsdorf hat erneut eine Verdi-Oper fürs Essener Aalto-Theater in­szeniert. «La forza del destino» bildet die siebte von insgesamt elf Produktionen. Doch Hilsdorf spielt, seit einiger Zeit schon, nicht mehr den inszenatorischen Beelzebub, der Partitur und Libretto mit der Axt in der Hand auseinandernimmt und dabei jeden provokatorischen Nuk­leus zu einem Ereignis aufwertet.

Sein waches Auge für originelle Ideen hat er sich allerdings bewahrt. So legt er diesmal die Rollen des Klosterpriors und des Marchese von Calatrava zusammen: Der Gestorbene wird – vor allem für seine Tochter – wieder lebendig, er lebt in ihrem Geiste fort. Leonoras Flucht ins Kloster führt also nicht nur zu einer Wiederbegegnung mit dem Vater, sondern signalisiert gleichzeitig ihren Übertritt in eine zweite, eigene Realität.
Dass dieser neue Verdi dennoch nicht der große Wurf geworden ist, liegt insbesondere daran, dass Hilsdorf die Figuren schlecht führt: zu opern- bzw. klischeehaft ihre Gesten, zu einstudiert ihre ­Bewegungen, zu wenig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Magisches Märchenmysterium

Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem ­literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss,...

Illusionismus, nein danke

Dass das Liebesleben des nicht nur vor Liebe trunkenen Dichters Hoffmann viele Irrungen und Wirrungen kennt, das wissen wir aus Jacques Offenbachs Oper «Les Contes d’Hoffmann». Schließlich verguckt sich der Titelheld in eine aufziehbare Puppe, in eine (un)bezahlbare Kurtisane und in eine Sängerin, die sich nicht entscheiden kann zwischen ihrer Liebe zum Mann und...

Thomas: Mignon

Der Tod kommt im Leben nicht vor. Er steht am Rande, ein Wartender. Nicht jedem ist dieser Wartende willkommen. Und auch in der Oper mag mancher dieses Sterben nicht miterleben; deswegen vor allem kam das lieto fine in die Welt. Der Beispiele für dieses versöhnende Schlusstableau sind es zahlreiche. Eines davon datiert vom 17. November 1866, als die Oper «Mignon»...