Zustände ihres Willens
Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in den synaptischen Spalt vor den Worten des Gefangenen- und Volks-Chores «Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde» hineinfließen zu lassen, keine Folge geleistet wird. Allein, so geschieht es.
Herbert Blomstedt, der achtzehnte Gewandhauskapellmeister in der bewegten Geschichte dieses Orchesters, verzichtet bei seinem sehr späten und deswegen mit großer Spannung erwarteten Leipziger Einstand als Operndirigent auf die aparte musikalische Final-Volte. Aber er tut es nicht, ohne die Weglassung zu begründen: «Die Leonoren-Ouvertüren – besonders die zweite und die dritte – sind großartige Stücke», schreibt er im Programmbuch zur Aufführung, «aber sie gehören zu früheren Fassungen. Und verschiedene Fassungen sollte man nicht mischen.»
So bleibt es bei der einen klassischen Ouvertüre zu Beginn, jener «Fidelio»-Ouvertüre, die zwar ...
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