Zischeln und Brausen
In der Welt der Oper tickt die Uhr mancherorts langsamer – und so ist die Provokation, die «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» 1930 darstellte, im goldprunkenden Neo-Rokoko-Rund des Wiesbadener Theaters bis heute recht einfach zu haben. Da zünden die bissigen Texte noch, da wird im Festspielpublikum gezischt, wenn die Prostituierte Jenny ihren Slip auszieht.
So erreicht die letzte, insgesamt brave und plakativ dekorierte Operninszenierung des 2014 scheidenden Intendanten Manfred Beilharz doch irgendwie ihr Publikum, wenn auch die Schlussszene mit hochgehaltenen Schildern («Gegen die Rettung des Euro», «Occupy», «Enteignung der Banken») sehr indifferent gerät. Der Abend hat den Rhythmus einer gepflegten Nummernrevue, die das Opernensemble mit mäßiger Textverständlichkeit serviert. Wer es üppig mag, ist mit Andrea Bakers vollstimmiger Leokadja Begbick und dem kräftig aufdrehenden Tenor Daniel Brenna als Jim Mahoney gut bedient. Wer schöne Stimmen bewundert, wird von Emma Pearson – Wiesbadens amtierender Lucia und Zerbinetta – mit engelsgleichen Tönen verwöhnt.
Generalmusikdirektor Zsolt Hamar, der am Vorabend der von uns besuchten zweiten Vorstellung eine «Lohengrin»-Gala mit ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Claus Ambrosius
Benjamin Britten, genau hundert Jahre jünger als Verdi und Wagner, ist der wichtigste Bühnenkomponist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch scheint er – zumindest im Vergleich zu den beiden anderen «Jahresregenten» – in diesem Jubiläumsjahr nicht gerade hektisch gefeiert zu werden. Bei den Neuveröffentlichungen von Britten-Opern auf DVD hält man sich...
Wohl kaum ein Komponist hat sein Œuvre so auf seinen Lebenspartner zugeschnitten wie Benjamin Britten, obwohl man Peter Pears – wie Humphrey Carpenter in seiner Britten-Biografie bemerkt – zunächst eine künstlerische Zukunft kaum zutraute. «Ich konnte ihn mir weder als Opern-, noch als Liedsänger vorstellen», meinte der Dirigent Trevor Harvey. Doch Lord Harewood,...
Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den...
