Totenmesse und Tragödie
Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den Szenenabschluss bildet eine gigantische gotische Glasfensterwand. Sie wird irgendwann herunterrauschen – und das Nein zu einer christlichen Weltsicht signalisieren. Wir wohnen der Erinnerung an einen Krieg bei.
Die Basler Oper visualisiert das «War Requiem» des im November hundertjährigen Benjamin Britten.
Inszeniert hat Calixto Bieito, in der nächsten Spielzeit spartenübergreifender Artist in residence des Hauses. Für seine Verhältnisse übt er sich hier in großer Zurückhaltung. Nur einmal, wenn eine verzweifelte, verwirrte junge Mutter irren Blicks ihr Baby zerschmettert, fließt das sonst bei Bieito allgegenwärtige Blut. Vielleicht sollte man auch nicht von einer Inszenierung sprechen, sondern von einer Bebilderung, genauer: einer tragödienhaften Illustration der zur Wiedereröffnung der von den Deutschen zerstörten Kathedrale von ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch
Nach Walhalls Feuertod stehen, wie von Zauberhand herbeigeschafft, Gestecke auf der leeren Bühne. Und aus dem Unterboden fährt ein Wagner-Konterfei (frei nach Lenbach) auf, gerahmt, filmplakatgroß, mit Barett, Samt und Seide. Das Publikum ist im siebten Himmel. Stehende Ovationen für den Jubilar. Erst dann treten Solisten, Dirigent und Produktionsteam ins...
Thomas» ist bereits die zweite Oper, die die beiden Österreicher Georg Friedrich Haas und Händl Klaus nach «Bluthaus» 2011 (siehe OW 6/2011) als Auftragswerk für die Schwetzinger Festspiele geschrieben haben (Uraufführung: 24. Mai, besuchte Vorstellung: 28. Mai 2013). Ging es damals um das Drama eines sexuellen Missbrauchs, so handelt es sich diesmal um das Sterben...
Alle bisherigen Deutungen der «Ariadne» leiden an dem von Hofmannsthal und Strauss sanktionierten Missverständnis, dass sie die topische Situation des «Theaters auf dem Theater» vom «Vorspiel» auf die «Oper» übertragen. Aber weder im Vorspiel noch in der Oper geht es um die Konfrontation von Opera seria und Commedia dell’Arte. Beide Theaterformen dienen nur als...
