Das Vorspiel als Nachspiel
Alle bisherigen Deutungen der «Ariadne» leiden an dem von Hofmannsthal und Strauss sanktionierten Missverständnis, dass sie die topische Situation des «Theaters auf dem Theater» vom «Vorspiel» auf die «Oper» übertragen. Aber weder im Vorspiel noch in der Oper geht es um die Konfrontation von Opera seria und Commedia dell’Arte. Beide Theaterformen dienen nur als Folie einer Auseinandersetzung mit den Problemen wirklicher Menschen, nämlich der Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher weiblicher Psychologien.
Auf der einen Seite steht die um ihre verratene Liebe trauernde Ariadne, auf der anderen die leichtfertige Zerbinetta. In den Kostümen der tragischen Heroine und der Colombine spiegeln sich metaphorisch die verschiedenen inneren Dispositionen. Beide sind Männeropfer: «die eine Frau, deren Libido nach einer traumatischen Verletzung versiegt ist, und die andere, die am rückhaltlosen Gewähren von Erotik zugrunde geht», schreibt Sergio Morabito. Um das zu zeigen, haben Morabito und Jossi Wieler die Teile umgedreht, in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet: Auf die 1912 entstandene Oper folgt das 1916 nachkomponierte Vorspiel als «alptraumhaftes Scherzo über die Situation der ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Herr Mulders, worin bestehen die Chancen der Doppelintendanz?
Man kann beide Häuser programmatisch viel näher aneinander binden. Zur Eröffnung der Saison mit Verdis «Macbeth» spielen wir parallel in der Philharmonie Verdis Requiem. Zum «Werther» von Massenet führen wir die einzigen symphonischen Werke von Massenet auf. Das sind echte Raritäten. Kurzum: Wir können...
Gut Ding braucht seine Zeit. Auch als Tenor sollte man es nicht zu eilig haben. Der Pole Piotr Beczala galt als Zürcher Ensemblemitglied ein Jahrzehnt lang als Geheimtipp im lyrischen Fach, bis schließlich 2006 mit Auftritten an der Mailänder Scala und an der Metropolitan Opera die Weltkarriere einsetzte, in deren bisherigem Verlauf viele CDs und DVDs mit dem...
Diese Schrecksekunde hat schon jeder Opernfreund erlebt: Wenn einer am Anfang vor den Vorhang tritt, wird meist eine Umbesetzung oder die Indisposition eines Sängers annonciert. In der zweiten Vorstellung von «Tristan und Isolde» waren aber weder Tenor noch Sopran unpässlich, vielmehr ein Bratscher und ein Cellist kurzfristig krank geworden. Da wurde man einmal...
