Warum?
Eine Frau. Wir kennen sie nicht. Und lernen sie auch nicht kennen, obwohl wir ihr eindreiviertel Stunden lang zuschauen, wie sie stirbt. Ihr Name ist L. Eine Abkürzung. L. hat eingewilligt, sich filmen zu lassen auf ihrem letzten Weg. Ihr Sterben ist real, ein Video fängt es, in quälender Slow Motion, ein. Aber was bedeutet ihr Tod für ein Kunstwerk wie dieses? Der Tod der Frau ist, wie jeder Tod, eine Leere, die plötzlich mitten im Leben eines Wesens aufbricht.
Das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins. Aber da ist noch etwas, etwas Wesentliches: Dieser Tod ist ein Geheimnis. Er ist absurd, er ist privat.
Im Haus der Berliner Festspiele sehen wir dem Tod in die Augen, weil er öffentlich gemacht wird. Wir sehen L. zu, wie sie aus den Armen des Lebens hinausgleitet, wie sie peu à peu ins Jenseitsdunkel verschwindet. Aber sollte, darf uns das interessieren? Berühren? Oder, im Gegenteil, gar voyeuristisch bestricken? Und: Was sagt es über unser Verhältnis zum Tod aus, dass wir diesem Sterben zusehen? Bricht die Veröffentlichung des Todes das Tabu, das der Tod in unserer Kultur immer war, ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
Alles auf einmal wollen. Alles ausprobieren. Warum nicht? Leben besteht daraus: schauen, was geht, mal vor, mal zurück. Erst recht auf der Opernbühne des Als-ob-Lebens. Im Speziellen: an der Oper Halle. Die Dramaturgin kündigt an, die «Aida» sei auch ein Experiment. Gefühle sollen in Wallungen geraten. Wohlige Vorfreude breitet sich aus, zumal hier, wo Florian Lutz...
«Idomeneo». Wer genug Jahre auf dem Buckel hat und damals dabei war, schaltet schnell: Zürich, 1. März 1980, der Coup in der Werkgeschichte. Nikolaus Harnoncourt dirigierte, Jean-Pierre Ponnelle visualisierte Mozarts Oper. Die Musik riss Abgründe auf. Das Wort «aufregend» ist keine Umschreibung für die elementare Wirkung. Die Interpretation legte den Grundstein für...
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge,...
