Gewitter im Innern
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge, die bedrückt, aus der es ein Entkommen kaum gibt, es sei denn hin zum Tode.
Katjas Weg ist vorgezeichnet – hellsichtig, wie sie sich gleich der Musik, mit der Janáček sie umgibt, ja, liebkost, aus dem Aufeinanderhocken wegstiehlt, den Schritt in die vermeintliche Freiheit wagt. Doch die Weite da draußen erstickt oft im Nebel, ist undurchschaubar, saugt die Menschen auf, die den Ausbruch riskieren, dieweil die Schaumkronen der Wolga sich an Land wälzen. Auch die Weite hat ihre Grenze.
Wir sind längst bei Tilman Knabes Inszenierung angelangt. Der ist heute nicht mehr der «junge Wilde», als der er einst Aufsehen erregte. Er bleibt nah am Text und vor allem auch: an der Musik; einige Überdeutlichkeiten lässt man ihm auch durchgehen. Die beiden Alten holpern etwas bemüht am Stock und an Krücken. Dafür geben sie sich beim ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Heinz W. Koch
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Vielleicht ist es kein Zufall, dass für Simon Estes der Holländer zu einer Art Schlüsselfigur wurde. Als Claus Helmut Drese den Bassbariton 1976 in das Zürcher Ensemble holte, lag sein Europa-Debüt an der Deutschen Oper Berlin bereits elf Jahre zurück. Ein künstlerisches Zuhause war dem in Iowa aufgewachsenen Sohn eines Bergmanns und Enkel eines Großvaters, der...
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