Komödie des Klassizismus
Zürich präsentiert die Uraufführung der Lenau-Oper «Lunea» von Heinz Holliger. Das Werk wird den klassizistischen Hauptstrom der Schweizer Musik vermutlich meiden. Und eine kleine Schar mehr oder weniger konservativer Avantgardisten erreichen. Ist Rettung in Hörweite? Schwer zu sagen. Selbst Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin, dessen Musikdrama «Der Sturm» gerade in Saarbrücken reaktiviert wurde, blieben Randfiguren.
Eine kleine Pauschalreise zu den tragisch umwölkten Gipfeln der eidgenössischen Operngeschichte
Das Problem sind natürlich die Ausländer. Mendelssohn begeisterte sich im Simmental für Volkslieder, hörte am Rigi das «lustige Alphorn», schrieb in Interlaken «Wer hat dich, du schöner Wald»; Liszt resümierte seine Wandererlebnisse zwischen Mont Blanc und Walensee in den «Années de pèlerinage»; Brahms entdeckte in Lauterbrunnen eine Alphornmelodie, die dann im Finale seiner 1. Symphonie für den großen Umschwung sorgt – alles noch relativ ungefährliche Sympathiebekundungen. Auf der Opernbühne traten die Anleihen deutlicher zutage. 1809 hatte Joseph Weigl, ein Österreicher, mit dem Singspiel «Die Schweizerfamilie» den Prozess der musikalischen Enteignung ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Essay, Seite 52
von Volker Tarnow
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Es ist still um ihn geworden. Aber das kennt man. Hans-Joachim Hespos arbeitete stets an den Rändern. Und so ist seine Musik. Eine Randerscheinung. Und: eine Herausforderung. Ein Stück von Hespos hört man nicht einfach so. Man muss hineinkriechen, um sich einen Eindruck von dessen Wesen zu verschaffen.
Das Credo seines Komponierens verdankt sich einem Diktum...
In einem von der Materialästhetik getränkten Komponistenporträt aus den 1980er-Jahren heißt es lapidar: «Nein, Claude Debussy war kein Impressionist.» Eine Beurteilung, die im Gefolge der Serialisten einseitig den Ästheten der clarté und der mathématiques musicales hervorhob. Im Umkreis von Pierre Boulez wurde Debussy so gesehen, besonders mit...
