Musicien français
In einem von der Materialästhetik getränkten Komponistenporträt aus den 1980er-Jahren heißt es lapidar: «Nein, Claude Debussy war kein Impressionist.» Eine Beurteilung, die im Gefolge der Serialisten einseitig den Ästheten der clarté und der mathématiques musicales hervorhob. Im Umkreis von Pierre Boulez wurde Debussy so gesehen, besonders mit spröd-konstruktivistischen späten Orchesterstücken wie «Jeux» und (dem nicht mehr von ihm selbst orchestrierten) «Khamma».
Die «impressionistische» Gegenposition nimmt am luzidesten das «Prélude à l’après-midi d’un faune» ein, ein zweifellos malerisch-atmosphärisch inspiriertes Stück von suggestiver Stimmungshaftigkeit. Doch in den meisten Kompositionen Debussys scheint gerade der Doppelcharakter von Ausdruck und Intonation bestimmend: die unauflösbare Verbindung von Sensualismus und kompositorischer Rationalität. Hell und dunkel in ihrem changierenden Neben- und Ineinander. Das Augenblicks-hafte der scheinbar unverbundenen Klangpointillismen und der sicher planende Zugriff des ingenieurhaft operierenden Kompositionstechnikers.
Das gilt auch für den Vokalkomponisten. Richard Strauss (einer Generation zugehörig, die noch ganz in Kategorien ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Hans-Klaus Jungheinrich
Was machen eigentlich alternde Diven in ihrer Freizeit? Man weiß es nicht so genau und will es vielleicht auch gar nicht wissen. Dafür weiß man nun auch in Augsburg, was erfolgreiche, noch gar nicht so alte Singer-Songwriter in ihrer Freizeit machen: ganze Opern komponieren. Dort ist nämlich aktuell die deutsche und deutschsprachige Erstaufführung der ersten Oper...
Natürlich tritt sie noch auf, nur eben auf der anderen Seite. Im Parkett der Wiener Staatsoper zum Beispiel, wo Christa Ludwig sich gern ansprechen lässt von den Fans. Auch im Festspielhaus Erl, weil sie einige Kilometer weiter gerade einen Meisterkurs gibt. Hof halten ist das weniger. Ein, zwei Minuten, schon ist man drin in einem Pausengeplauder, in...
Stille Nacht, heilige Nacht? Bacchus bewahre. Dieses Notturno kennt andere Vorlieben, und man benötigt nicht besonders viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, was da hinter geschlossenen Gardinen geschieht. Mit Feuer und Furor wühlen sich die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg («Bichette») und ihr Liebhaber Octavian («Quin-Quin») durch den nächtlichen...
