Wandererfantasie
Das Leben? Man kommt nicht umhin, es als unendliches, unauflösbares Rätsel zu begreifen, als ewiges Enigma. Wer auch immer danach trachtet, Sinn oder Nicht-Sinn zu ergründen, muss letztlich erkennen, dass die entscheidenden Fragen nicht zu beantworten sind. Wer wäre imstande, die Rolle des Orakels zu übernehmen? Ist nicht jeder viel zu sehr mit sich selbst verstrickt, um den Blick von außen zu wagen? Hans Werner Henze wagt diesen Blick in seiner dreizehnten und (nach derzeitigem Stand) definitiv vorletzten Oper «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe». Sein Blick ist fragend.
«L’Upupa» ist kein Werk der souveränen Behauptung – weder kompositorisch noch ästhetisch. Es ist ein Werk des Suchens und des Hoffens. Im Grunde basiert diese Oper (frei nach Ernst Bloch) auf der utopischen Idee vom Fortschreiten hin zu einer besseren Wirklichkeit. Sie konzediert aber auch, dass dieses Fortschreiten nur ein höchst vages sein kann. Zu ungefähr ist die Welt.
Schon Anton Tschechow erklärte eines seiner tristesten Dramen zur Komödie: «Die Möwe». Auch Henze findet eine Genrebezeichnung, die etwas anderes insinuiert, als das Stück beinhaltet, und die Dieter Dorn bei der Uraufführung 2003 in Salzburg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische...
Im Jahr 1977 brachte EMI unter dem Titel «The Record of Singing» zwölf Langspielplatten heraus. Es war «der Versuch, einen Überblick über die Kunst des Singens, wie sie auf Platten überlebt hat, zu geben». Die Idee zu diesem Projekt ging auf den britischen Sammler Vivian Liff zurück, der sowohl die Sänger als auch die Titel aussuchte. Die opulente Kassette schloss...
Das ist gewiss rekordverdächtig: Zwei junge Komponisten, Mark Moebius und Karola Obermüller, haben unter Assistenz von sechs librettistischen Zuarbeitern nach Sibylle Bergs Stück «Helges Leben» eine Oper geschrieben, die unter Mithilfe zweier Dirigenten und zweier Regisseure am 31. Mai vom Theater Bielefeld (in Kooperation mit der Deutsche Bank Stiftung und dem NRW...
