Ideendrama
Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische Antigone, sei es Christus) jederzeit mit dem Tod rechnen, ohne dass dieses Schicksal aktiv zu beeinflussen wäre. Idealer Stoff für eine Tragödie oder ein Mysterienspiel, kaum indes für eine Oper.
Eben dieser Herausforderung stellt sich Ildebrando Pizzetti 1956/57, damals bereits 77 Jahre alt, als er Eliots Stück auf Basis eines Librettos vertonte, das er aus der italienischen Übersetzung eines katholischen Geistlichen (Alberto Castelli) destilliert hatte. Knapp sieben Monate nach Fertigstellung der Partitur ging das Werk erstmals an der Scala über die Bühne.
Dass «Assassinio nella cattedrale» bald vom Spielplan des Mailänder Hauses verschwand, überrascht angesichts der spröden Faktur wenig. Nun wurde Pizzettis Eliot-Oper zum 100. Geburtstag des charismatischen Gianandrea Gavazzeni – der 1996 verstorbene Dirigent hatte die ...
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Musetta kennt man als kokette, notorisch zickende Diva, die in Koloraturen zwitschert und auch sonst wenig Bodenhaftung hat. Bei Puccinis «La Bohème» ist sie eher eine Randfigur, die ab und zu mit ihrem Temperament die melancholische Melodienseligkeit der Oper aufwirbelt. Ruggero Leoncavallo hatte sich schon vorher für die Geschichten aus Henri Murgers 1848 in...
Herr Heppner, haben Sie sich mit dem Etikett vom Heldentenor abgefunden?
Das Problem bei diesem Begriff ist, dass die lyrische und damit vielleicht auch die gesangliche Komponente oft zu kurz greift. Heldisch, das suggeriert meist: laut und kraftvoll. Damit allein ist natürlich nichts gewonnen.
Geht es Ihnen um eine bestimmte Richtung von Gesangästhetik?
Zumindest...
Peter Konwitschny, seit 2008 Chefregisseur an der Oper Leipzig, hat den dortigen Spielplan, zugegebenermaßen notgedrungen, bisher vor allem mit erfolgreichen eigenen Arbeiten bereichert, darunter einschlägige Klassiker wie seine Grazer «Aida» (1994). Im September wird er im Haus am Augustplatz seinen Hamburger «Lohengrin» (1998) in einer Neueinstudierung...
