Wahrheit existiert nicht mehr

Wie Regisseure von morgen sich und die Welt wahrnehmen, was für sie der Umgang mit Oper als Kunstform und als Kunstwerk bedeutet und welche Bühnenästhetiken daraus entstehen

Opernwelt - Logo

Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich akzeptieren.

Welche Wege gibt es, unter solchen Voraussetzungen mit der Oper umzugehen? Und was kennzeichnet die Selbstwahrnehmung und Weltwahrnehmung der «Jungen»?
Weil sie keine klar definierten Feindbilder mehr haben und nicht mehr in den lange üblichen Täter/Opfer-Strukturen denken, darf man von den jungen Regisseuren keine großen, lauten Gesten des Protests erwarten. Sie wollen nicht mehr im herkömmlichen Sinn Stellung beziehen. Das bedeutet jedoch keine Gleichgültigkeit gegenüber politischen oder sozialen Missständen, sondern eher Zweifel, was und wie und ob überhaupt etwas bewertet werden soll und kann. Vor allem zweifeln die Jungen an sich selbst. Ein Rest an geborgten Verhaltensmustern aus Zeiten, in denen die Generation ihrer Eltern (auch via Regie) Fundamentalkritik am kapitalistischen System betrieben hat, lässt sie die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 34
von Barbara Beyer

Vergriffen
Weitere Beiträge
In der Krise helfen nur Komödien

Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...

Nirwana des Schönklangs

Über den Charakter seiner Salome war sich Oscar Wilde im Arbeitsprozess lange unschlüssig. War sie nun eine Femme fatale wie auf den Gemälden Leonardo da Vincis und Gustave Moreaus, die ihn sehr inspirierten, oder eine Femme fragile wie auf einem Bildnis Bernardino Luinis? «Ihre Wollust muss unermesslich, ihre Pervertiertheit grenzenlos sein», notiert er einmal....

Ende der Blockaden

Warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Nach diesem Grundsatz scheint sich die Stadt Linz bei den Planungen für ein neues Opernhaus gerichtet zu haben. Dass am Ende dennoch alles gut und die Kapitale Oberösterreichs ein attraktives Gebäude für ihr Musiktheater bekommen wird, darf man jetzt erstmals ernstlich hoffen: Im April erfolgte endlich der erste...