Unterm Brennglas
Der Haarwasserfabrikant, der notorische Feuerteufel naiv bewirtet, während sie auf dem Dachboden seines Hauses bereits Benzinfässer stapeln: Max Frisch hatte sein Schauspiel «Biedermann und die Brandstifter» vor ein paar Jahrzehnten auf die Machtübernahme – den sogenannten Februarputsch – der Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei gemünzt. Doch aktuell ist der Stoff allemal, weil so menschlich im Sinne von Mephistos Feststellung «...den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte».
Brandstifter sind allgegenwärtig und zündeln an der Welt herum, ob als Politiker oder Zocker im Banken- und Wirtschaftsbereich. In solchem Zusammenhang hat Simon Vosecek, der Wiener Komponist mit tschechischen Wurzeln, aus Frischs Stück eine durchaus aktuelle Farce fürs Musiktheater geschrieben, die von der Neuen Oper Wien im September im Wiener Semperdepot uraufgeführt wurde. Deren Leiter Walter Kobéra und sein amadeus ensemble exekutierten mit Elan die Partitur, die das letzte halbe Jahrhundert europäischer Musikgeschichte wie im Brennglas konzentriert und dabei das Komische, Bizarre und Drastische zusammenspannt. Béatrice Lachaussée sorgte für eine unterhaltsam-konzentrierte ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen...
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien...
Die Zauberin Armida, die gegen ihren Willen dem Kreuzritter Ronaldo verfällt, hat auch einer Menge Komponisten der letzten 400 Jahre den Kopf verdreht. Von Lully bis Dvorák – wer hat nicht alles die Story vertont! Gluck tat es 1777 in Paris, bereits als berühmter Opernreformer. «Armide» hat allerdings nicht die Stringenz und dramatische Kraft seiner anderen...
