Magisches Bildertheater, bürgerliches Trauerspiel
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien versuchte. Für das heutige Theater stellt dieses Werk in anderer Weise eine Herausforderung dar, denn der damals aktuelle Symbolismus, von dem die Vorlage Maurice Maeterlincks geprägt ist, scheint uns heute etwas entrückt.
Regisseure sind angehalten, zeitgemäße szenische Entsprechungen zu finden, ohne dem Stück Gewalt anzutun. Zwei Produktionen aus Paris und Essen, die jetzt auf DVD vorliegen, lösen das Problem auf konträre Weise.
In Paris hat Robert Wilson seine 1997 für die Salzburger Festspiele konzipierte Inszenierung aufgefrischt, die dem Werk den Stempel seiner seit mehr als dreißig Jahren allbekannten Ästhetik aufdrückt. Er erzählt keine Geschichte, sondern arrangiert Bilder in oft magischer Beleuchtung. Die Sänger, weitgehend entpersönlicht, sind Funktionsträger, werden in einer slow-motion-Choreografie in diese ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta
Impressum
54. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752262
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 12.11.2013
Redaktion:
Albrecht Thiemann (V.i.S.d.P.)
Wiebke...
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative...
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann...
