Unter der Narrenkappe
Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den Betriebsamen: «Das Recht zu leben erwirbt man sich fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht».
Für die deutsche Erstaufführung der französischen Fassung von Donizettis letztem Bühnenwerk, der 1843 uraufgeführten Grand Opéra «Dom Sébastien», ließ Hermann sich von Christof Hetzer einen riesigen Kasten auf die Szene setzen, dessen schwarze Wände gleichermaßen Assoziationen mit einem ausweglosen Kerker wie einer überdimensionalen Gummizelle wachrufen. Hier situiert der Regisseur den (vom Librettisten Eugène Scribe gegen die geschichtliche Wirklichkeit verbogenen) Untergang des portugiesischen Königs Sébastien, der 1578 beim Versuch der Eroberung Marokkos mitsamt seinem Heer den Tod fand. Hineinverwoben in dieses Menetekel menschlicher Hybris hat Scribe nach bewährtem Muster eine ...
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Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus. «Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt,...
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Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle...
