Fremd im eigenen Land

Salvatore Sciarrinos neues Musiktheater «La porta della legge» nach Kafka in Wuppertal

Opernwelt - Logo

Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus.

«Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt, dass die Kultur, die mutigsten Projekte umsonst sind; […] wenn es euch scheint, als nähmet ihr bloß Teil an einer höhnischen Inszenierung – was geschieht dann in eurem Leben?»
Die Konsequenz für Sciarrinos Leben ist klar. Seine musikalischen Konzepte und Visionen erreichen kaum mehr die Landsleute, obwohl sie der italienischen Kultur von zwei Jahrtausenden emphatische Reverenz erweisen. Sciarrinos Werke fürs Musiktheater kommen nicht in Mailand, Rom oder Neapel auf die Bühne, sondern in Schwetzingen, Wuppertal, Mannheim. Natürlich spiegeln diese Uraufführungsorte auch das Vertrauensverhältnis zum Opern- und Festivalleiter Klaus-Peter Kehr, der Sciarrinos Bühnenwerke seit den neunziger Jahren propagierte.
Mit seiner Zivilisationskritik gibt uns Sciarrino eine konkrete Lesart seiner neuen Oper an die Hand, die freilich weder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos ... Radames: Salvatore Licitra

Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine...

Der Maler und seine Frauen

Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa...

Derb und subtil

Vor Kurzem bewegte sich Dirk Bach noch zwischen Kakerlaken und Känguruhoden. Dass der Kölner Comedian mit der barocken Figur und dem Hang zum trashigen Humor viel mehr kann, als das RTL-Dschungelcamp mit allerlei Hüten und Zoten zu dekorieren, zeigte das langjährige Ensemblemitglied des Kölner Schaupielhauses am Berner Stadttheater in Brittens «A Midsummer Night’s...