Der Maler und seine Frauen

Melbourne Ford: Rembrandt’s Wife

Opernwelt - Logo

Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa wurzeln.
Jedes Kunstwerk bedarf einer metaphorischen Dimension, doch eine Oper braucht neben poetischen Momenten auch ein logisches dramaturgisches Gerüst. Der Text ist ein entscheidender Faktor.

Fords Librettistin Sue Smith, eine erfahrene Autorin von TV-Drehbüchern, hat dem Komponisten eine Serie locker gefügter Episoden über den großen Maler geliefert, dem Ganzen fehlt dramatische Durchschlagskraft. Nur ein Komponist mit Theaterblut hätte daraus Funken schlagen können. Ford gehört leider nicht zu dieser Spezies, und sein pauschaler, an der englischen Tradition orientierter Stil ist kaum geeignet, die Defizite in der Handlungsführung wettzumachen.
Gleichwohl hat sich die neu formierte Victorian Opera in Melbourne hohes Lob verdient, nicht nur für die «Rembrandt»-Premiere selbst, sondern auch für die Entscheidung, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von John Carmody

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unter der Narrenkappe

Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den...

Aus zweiter Hand

Ein Sensationserfolg. Als Bruno Walter im Dezember 1920 Walter Braunfels’ Aristophanes-Oper «Die Vögel» dirigierte, ahnte niemand, dass allein die Münchner Uraufführungsproduktion innerhalb von zwei Jahren 50-mal auf dem Spielplan stehen würde. Kein Wunder, dass das Stück ganz oben auf der Liste von Musikern steht, die sich für die Wiederentdeckung und...

Pluralistischer Zeitgeschmack

Ein erstaunliches Ritual ereignete sich am 24. Dezember des Jahres 1907 in einem unter-irdischen Gewölbe des Palais Garnier, der Pariser Opéra: Eine Gruppe vornehm gekleideter Würdenträger deponierte dort an entlegener Stelle zwei topfartige Gefäße, in die man 24 Schallplatten mit Aufnahmen bekannter Sänger und Instrumentalisten dieser Zeit versenkt hatte, «Urnen»,...