Unerreichbar nah

Offenbachs «La Vie parisienne» fulminant in Straßburg, die Urfassung des vergessenen «Fantasio» in Karlsruhe

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Der Bahnhofslautsprecher weiß es genau: Der Zug Nummer 1866 hat 148 Jahre Verspätung. Die Straßburger Premiere widerlegt die Ankündigung spielend und tanzend. Offenbachs Opéra bouffe «La Vie parisienne» (stimmt: Jahrgang 1866) ist in Wahrheit überpünktlich – meint: so genau auf dem Punkt, wie eine Vergegenwärtigung Maître Jacques’ nur sein kann. Die Deutsche Bahn, die mit dem Begriff der Pünktlichkeit eher fremdelt, sollte Sonderzüge in die elsässische Kapitale anberaumen.

Der Bahnhof auf der Bühne der Opéra national du Rhin scheint aufnahmebereit für all jene, die den Traum vom unablässigen Amüsement träumen, von all dem, was das Leben ihnen womöglich vorenthielt und das die schier mythische Attraktivität von Paris ausmacht, und sei es die eines falschen, weil allenthalben verkleideten.

Vielleicht legen die Reisenden auch einen Zwischenstopp in Karlsruhe ein. Hier beträgt die Verspätung auch nur 142 Jahre. Am Badischen Staatstheater ist ebenfalls für neugierige Offenbach-Freunde angerichtet: Dort gibt es die Opéra comique «Fantasio» in der Urfassung zu hören, erstmals seit den nicht übermäßig erfolgsgekrönten ersten Wiedergaben 1872 in Paris und in Wien. Jean-Christophe Keck, der ...

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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Heinz W. Koch

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