Triumph der Musik
Vielleicht ist «La forza del destino» tatsächlich Verdis problematischste Oper. Denn ihr kruder Mix aus hitziger Ekstase zweier junger Männer, der Leidenskraft einer Frau, religiöser Introversion und surrealer Kriegsverherrlichung bündelt Kräfte, die nicht selten aneinander zerren und das dramaturgische Gefüge zum Knirschen bringen. David Alden, sonst nicht zimperlich, wenn es darum geht, einen Opernstoff in unsere Zeit zu transportieren oder eine schrill-bunte Vergegenwärtigung zu wagen, siedelte das Stück diesmal in seiner Entstehungszeit an – in den sechziger Jahren des 19.
Jahrhunderts. Das verblüfft in seiner konventionellen Optik, zumal nicht nur die Kostüme historisierend geschneidert, sondern auch die Bühnenräume konkret entworfen sind, sieht man einmal von der Waben-Tapete des häuslichen Refugiums zu Beginn ab, die leitmotivisch wiederkehrt und gleichsam die emotionale Fesselung Leonoras an den Vater symbolisiert. Rot tapeziert und heruntergekommen die Schenke, abstrakt die Einsiedelei, ein offener, von Gittern umzäunter Raum das Feldlager. Und über allem dräut Joachim Patinirs «Überfahrt in die Unterwelt» von 1521. Dessen rot glänzender Charon im Zentrum leuchtet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die eigentliche Überraschung des Werkes ist sein Libretto: ein seit mehr als vierzig Jahren unaufgeführt gebliebenes Stück von Peter Weiss. Dieses «Inferno» war von ihm geplant als Teil einer Trilogie nach Dantes «Divina Commedia», deren Abschluss die bereits 1965 uraufgeführte «Ermittlung» bilden sollte, ein seinerzeit viel gespieltes Paradigma-Stück des...
Das häufige Erscheinen in den Spielplänen und die Beliebtheit von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» beweist, wie groß das Bedürfnis nach Opernheiterkeit ist. Diesem Verlangen kommt das Stück in vier Akten und zehn Bildern nebst Prolog perfekt nach. Buffawitz, Ironie, turbulente Vorgänge, Tempo, Spontaneität beherrschen die Bühne. Nur keine Psychologie,...
Früher sprach man gern vom «Fluch der Technik», wenn im Theater etwas schief ging. Hagens Intendant Rainer Friedemann variiert ihn als «der Teufel im PC». Denn erst machte sich bei der Premiere von Alexander Zemlinskys Opernkomödie «Kleider machen Leute» der «klemmende» Computer für die Kulissensteuerung unangenehm bemerkbar, bei der zweiten Vorstellung ging dann...
