Die Ironie des Biedermannes
Früher sprach man gern vom «Fluch der Technik», wenn im Theater etwas schief ging. Hagens Intendant Rainer Friedemann variiert ihn als «der Teufel im PC». Denn erst machte sich bei der Premiere von Alexander Zemlinskys Opernkomödie «Kleider machen Leute» der «klemmende» Computer für die Kulissensteuerung unangenehm bemerkbar, bei der zweiten Vorstellung ging dann nichts mehr. Nur eine «gehämmerte» Einheitsbühne blieb übrig von den hübschen Bildern, die Hank I.
Kittel für den augenzwinkernden Blick auf das deutsche Biedermeier und das ewig aktuelle Spießbürgertum entworfen hatte. Friedemann trieb dies zunächst einmal den Schweiß auf die Stirn – und nach der von mir besuchten Vorstellung sagte er alle weiteren Begegnungen mit den gespiegelten «Leuten aus Seldwyla», so der Titel der als Vorlage dienenden Novelle Gottfried Kellers (1856/57), ab. Diese visuelle Verkürzung sei dem Publikum nicht zuzumuten. Bedauerliches Aus für eine pfiffige Inszenierung von Roman Hovenbitzer, für eine solide Ensembleleistung und eine weitgehend präzise, den Charme der Partitur gewitzt übersetzende Orchestervorstellung mit Antony Hermus am Pult des Philharmonischen Orchesters.
Worum geht's? Schneider ...
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