Schicksal eines Underdogs
Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist überliefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden Dirigat von Christoph Spering bei der Premiere der «Platée» einen ganzen Abend lang in barocken Spiel- und Phrasierungstechniken erproben durften. Mit glänzendem Erfolg, der wieder einmal bewies, dass Musik des 18.
Jahrhunderts auch auf modernen Instrumenten authentisch klingen kann.
Rameaus 1745 in Versailles aus der Taufe gehobenes so genanntes «Ballet Bouffon» ist ein Unikum in der Opernliteratur, ein in seiner offenen Dramaturgie weit in die Zukunft weisendes Stück. Eine Mischung aus Komödie und Tragödie, barockem Ausstattungsstück und Travestie, Ballett und vokalem Musiktheater. Regisseurin Aurelia Eggers sowie ihre Bühnen- und Kostümbildner Norbert Ziermann und Moritz Junge bekommen diese disparaten Elemente überzeugend in den Griff, indem sie eine aktionsreich bunt historisierende, dabei immer wieder von witzigen ...
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Von einem «Labyrinth der Gefühle» ist die Rede im Programmheft zu «Turandot», der letzten Opernproduktion des Pfalztheaters in der ausgelaufenen Spielzeit. Eine Deutung, die vermutlich auch als Schlüsselgedanke zu Urs Häberlis Inszenierung des Werks oder zumindest zu Thomas Dörflers Bühnenbild verstanden werden darf. Dessen Hauptelement bildet eine abstrakte...
Bellinis «Norma» steht und fällt mit den beiden Frauenstimmen. Ob die beiden jungen russischen Sängerinnen Mlada Khudoley (Norma) und Ekaterina Gubanova (Adalgisa) sich in Partien, die geradezu als Inbegriff des Bellini’schen Belcanto gelten, die hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnten? Und wie sie es taten! Insbesondere Khudoley überrascht mit ihrem breiten...
Seit den 1970er-Jahren sind Werk und Person Friedrich Hölderlins ein geheimer Fixpunkt der musikalischen Avantgarde. In dieses von Maderna bis Nono, von Rihm bis Holliger reichende Spektrum reiht sich auch der 1953 geborene Grazer Komponist Georg Friedrich Haas mit seiner 1996 für die Bregenzer Festspiele entstandenen Kammeroper «Nacht» ein, die jetzt in Frankfurt...
