Tribunal, Groteske, Innenschau
Auch im Jahr nach seinem 100. Geburtstag steht Benjamin Britten weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser – was einmal mehr unterstreicht, dass es ihm als vorerst letztem Komponisten gelungen ist, mit seinem Schaffen im Repertoirebetrieb allgegenwärtig zu sein. Das liegt nicht nur an der musikdramatischen Stringenz der Werke, sondern auch an ihren verstörenden, den dunklen Seiten des Menschseins zugewandten und gerade dadurch aufrüttelnden Sujets.
«Es sind», so Leonard Bernstein, «Getriebe, die knirschen, die sich reiben, nicht bloß ineinandergreifen, und sie bereiten uns großen Schmerz.» Das haben Aufführungen von «The Rape of Lucretia», «Billy Budd» (siehe OW 7/2014) oder «Death in Venice» jüngst eindrucksvoll bewiesen, und selbst eine scheinbar harmlose Komödie wie «Albert Herring» besitzt, wie Verdis «Falstaff», ihre Widerhaken.
«The Rape of Lucretia» in Bielefeld
Brittens erste Kammeroper «The Rape of Lucretia» entstand binnen Jahresfrist nach dem Sensationserfolg von «Peter Grimes» bei der Londoner Uraufführung 1945. Statt eines naturalistischen Dramas werden wir hier zu Zeugen eines distanzierten Geschehens, das Elemente des epischen Theaters benutzt und durch die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Aus den Schloten von Basstuba und Bassposaune steigen giftige Dämpfe auf – in übermäßigen und verminderten Quarten. Celli schmieren, dreifach geteilt, eine Mixtur aus chromatischen Quartsextakkorden auf den Untergrund wie Öl auf den Asphalt. Hörner und Holz bewegen sich in Gegenrichtung gleich Autos auf den Spuren einer Straße. Ihre Metren sind verschieden. Im...
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt....
Herr Mattei, im neuen Berliner «Tannhäuser» von Sasha Waltz sangen Sie einen fantastischen Wolfram. Ein Rollendebüt?
Nein, das schien nur so. Ich hatte die Rolle schon vor acht Jahren an der Mailänder Scala gesungen. Es war ein großer Erfolg, aber ich habe den Wolfram nicht wieder angeboten bekommen.
Wie ist das möglich?!
Das sind die unergründlichen Wege der...
