Fauler Zahn
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt. Aneinandergebunden, schweben diese bunten Tüten als merkwürdiges Fetzenwesen im Bühnenhorizont, als sei der hexenartige «Hausgeist» aus Max Ernsts Gemälde entflogen.
Erst bei genauerem Hinsehen lässt sich die Kontur eines Drachenkopfs identifizieren.
Ein bizarres memento mori aus unserem Wohlstandsmüll, das Hermann Feuchter als vielsagendes Bühnenbild zur Uraufführung von Peter Eötvös’ neuestem Musiktheater «Der goldene Drache» ins Bockenheimer Depot bauen ließ. Entstanden als Koproduktion zwischen der Frankfurter Oper und dem Ensemble Modern, basiert Eötvös’ nunmehr elftes Bühnenwerk auf dem gleichnamigen Erfolgstheaterstück von Roland Schimmelpfennig, einer unzweideutigen Kritik an der Immigrationspolitik der reichen westlichen Industriestaaten. Ein chinesischer Junge, auf der Suche nach seiner Schwester in einem europäischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Reinhard Kager
Paul Curran verlegt Händels Merowinger-Oper «Faramondo» (1738) in ein viktorianisches Spielcasino. Während man damit beschäftigt ist, die kleinen Geschichten aus dem «Paten»-Milieu, die sich der Schotte für Solisten und Statisterie ausgedacht hat, zu entziffern, verpasst man die herrliche Ouvertüre, die vom FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings...
Wenn man sich durch die jüngere Geschichte von Perm blättert, kommt einem ein Operntitel von Nikolaj Rimsky-Korsakow in den Sinn: «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch». Denn lange war Europas letzte Millionenstadt vor dem Ural für Ausländer und sowjetische Normalbürger unsichtbar: ihre Position auf den Landkarten gefälscht, die Stadt selbst nur für...
Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder...
