Tratsch und Liebe

Cavalli: La Calisto Darmstadt / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Neben der Leipziger Oper steht das Kroch-Hochhaus (1928), auf dem der antik-barocke Spruch prangt: «Omnia vincit labor», Arbeit besiegt alles: Gegenthese zum bekannteren «omnia vincit amor», die Liebe besiegt alles. Dass in der protestantischen Bürgerstadt puritanisches Arbeitsethos hochgehalten wird, verwundert kaum. Für die ­Barockoper freilich, zentral für die Gegenreformation, galt das Gegenteil: Sinneslust gegen Askese – Herrscher, Helden, Götter standen unterm Bann des Eros, wurden geradezu am Nasenring ihrer ­Libido durch die (Welt)Geschichte gezogen.

Beim Sex gab es kein Halten mehr, allenfalls mytholo­gische Verbrämung der amourösen Übergriffe der Olympier: Daphne wird in einen Lorbeerbaum verwandelt, quasi entsorgt, in einem schlechten Hegel’schen Sinne «aufgehoben».

Ein ähnliches Schicksal war der Nymphe ­Calisto, im Gefolge der keuschen Jagdgöttin Diana, beschieden: Jupiter höchstselbst fand an der Naturschönen Gefallen, bedrängte diese, die sich aber nicht erweichen ließ, worauf der frustrierte Obergott sich ausgerechnet in Diana verwandelt und sich so Calisto nähert. Diana allerdings hat eine ­Affäre mit dem Hirten Endimione – wie überhaupt die erotischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Tod und Erklärung

Nicht wenige Opern sind durch Muster-Interpretationen in ihrer Rezeption gebremst worden: Den «Rosenkavalier» überzog das Dresdner ­Uraufführungsmodell von Max Reinhardt und ­Alfred Roller mit einem Barock-Firnis, gegen den ein halbes Jahrhundert kein Kraut gewachsen schien; Bernsteins «West Side Story» war in ­Jerome Robbins’ Broadway-Kreation ähnlich ­sakrosankt....

Serienkiller

Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des ­Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte ­etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder...

Der andere Hügel

High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ­ohnehin nicht mehr...