Der andere Hügel
High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ohnehin nicht mehr extra umgebaut und -gerüstet werden muss.
Ziemlich viele Annehmlichkeiten gibt es mittlerweile auf diesem versteckten Hügel zwischen Rosenheim und Chiemsee, von dem aus sich in den Aufführungspausen so wunderbar der Sonnenuntergang bestaunen lässt.
Das Ambiente dieser Festspiele ist demnach geblieben und ebenso ihr Chef: Ludwig Baumann, im Erstberuf Opernbariton, kann in diesem Jahr den 20. Geburtstag seines Unternehmens feiern. Eigentlich war dieses als Wiedereingliederungsmaßnahme in die Musik gedacht. 1994 stürzte Baumann bei einer Probe in den Graben der Semperoper und musste seine Karriere beenden, seitdem leidet er unter chronischen Rückenschmerzen. «Es war nie die Absicht, ein Festspiel in diesem Ausmaß anzustreben», sagt er heute. Inzwischen ist er bei neun Festivalwochen, einem Jahresetat von zwei Millionen Euro ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Markus Thiel
Schon vor Wagner taugte der Tod zum Happy End. «Manon Lescaut» von Daniel-François-Esprit Auber – die früheste der drei Abbé Prévost-Vertonungen – bekennt sich trotz tödlichem Ausgang zur Opéra comique. Zu Recht! «Comme un doux rêve», wie ein süßer Traum kommt das Ende der leichtlebigen, operndösig verruchten Titelheldin daher. Aber nur bei Auber.
Dass es seither...
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
Auf den Trank wurde schon andernorts verzichtet. Tristan und Isolde, das ist ja längst Regie-Common-Sense, brauchen für den Rausch keine Droge. Hier drängt es sie nach vorn an die Rampe, während hinten vertikal rasende Projektionen freien Fall suggerieren. Viel mehr geht nicht in diesem Raum, in dem sich auch Dressuren und Clowns denken lassen und der in einer der...
