Serienkiller
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder Inszenierung wirft sich Grimes den Toten in einem Plastiksack über die Schulter, säubert schnell die Wohnung und rennt davon. Die Spurensicherung würde sicher noch eine Menge Beweise finden.
Aber die Dörfler ziehen nach kurzer Suche wieder ab.
An der Oper Dortmund ist Peter Grimes ein Serienkiller. Er versucht seine Triebe zu beherrschen, doch wenn er Knaben sieht, bricht seine dunkle Seite durch. Er misshandelt die Kinder, die er sich aus einem Waisenhaus holt. Auch Ellen Orford zerschlägt er das Gesicht. Nicht obwohl, sondern weil sie ihn liebt, an einen guten Kern in ihm glaubt und zu vielen Opfern bereit ist, um diesen hervorzukehren – dadurch kommt sie ihm zu nahe. Die Gewalt erwächst aus der Angst, berührt zu werden. Peter Grimes ist auch ein Liliom.
Diese Interpretation des Stücks erinnert an heutige Psychothriller ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stefan Keim
Die Geschichte der Opera buffa setzt bekanntlich mit den komischen Intermezzi ein, die in den Pausen ausladender heroischer Opern gegeben wurden. Pergolesis «La serva padrona» ist ein Modellfall der Gattung. Aber auch «Pimpino-ne» wird in der Version von Telemann (1725) noch heute gelegentlich gespielt. Allerdings ist diese deutsche Variante nichts anderes als ein...
Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.
Schönberg hatte das...
Nimmermüde
Pfingsten steht Salzburg im Zeichen von Romeo und Julia. Und Festspielchefin Cecilia Bartoli schenkt sich zum 50. Geburtstag eine Mädchenrolle: In Bernsteins «West Side Story» ist sie als Maria zu erleben.
Nimmerschwer
Im Barockfach hat Anna Caterina Antonacci ihre Karriere begonnen. Eigentlich hoffte sie auf die schweren Verdi-Partien. Heute weiß die...
