Staunen, von Beginn an
Über die Einteilung der Stimme in Fächer konnte sie nur lachen. Was für sie zählte, war allein die Klangrede aus innerer Notwendigkeit. Unerschöpflich schienen ihre vokalen Ressourcen, egal ob sie Gounod, Verdi,
Wagner, Strauss oder Spirituals sang. Selbst im Gespräch vermochte Jessye Norman zu elektrisieren.
Erinnerungen an eine Künstlerin, die sich leidenschaftlich für Emanzipation und gegen Rassismus im Musikbetrieb einsetzte und ihre zuletzt raren Auftritte wie ein Hochamt zelebrierte
Kein pompöser Sonnenuntergang ist das, in Technicolor und Cinemascope. Behutsam, fast zaghaft beginnt sie das Wort «Abendrot», mit einem pianissimo angesetzten G auf der ersten Silbe. Ganz subtil, nur ein wenig wird der Klang aufgezogen, eine Wölbung, ein rotsilberner Schimmer, vokal gemalt als Pastell, das viel durchscheinen lässt von dem, was sich hinter der Naturschilderung verbirgt. Es ginge ja anders, gebieterischer, Jessye Norman hat das oft genug gezeigt. Doch hier ist es nicht allein Transparenz, die zur Hör-Erfahrung wird, sondern Transzendenz: Klangrede, das begreift man in diesen kostbaren Sekunden, in dieser Phrase, in diesem einzigen gesungenen Wort – sie ist weniger Errungenschaft ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Nachruf, Seite 34
von Markus Thiel
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Ein bisschen stolz sind sie schon, die Musikexperten in der Strasbourger Arte-Zentrale. Seit zehn Jahren ist Arte Concert, die digitale Plattform für Klassik, Oper, Jazz, Pop & Rock, Metal, Electronic, Weltmusik, Bühnenkunst und demnächst auch Barockes, auf Sendung – im Netz, umsonst und rund um die Uhr. Fast vier Millionen mal wurde zwischen September 2018 und...
