Seifenoper
Die Verleumdung – la calunnia – sie ist ein Lüftchen … Christian Jost (Jahrgang 1963) muss gar nicht Rossini bemühen, um das zu unterstreichen. In seiner 2012 in Antwerpen uraufgeführten Oper «Rumor» nach Guillermo Arriagas Roman «Der süße Duft des Todes» macht der Komponist das Gerücht zum zentralen Motiv (siehe OW 5/2012). Sein Urheber ist gleichwohl keine Figur vom Schlag eines Basilio, sondern ein gruppendynamischer Prozess. Schauplatz ist die Provinz, und wie in so vielen aktuellen Auseinandersetzungen ist dieser Begriff weit mehr als eine räumliche Verortung.
Er steht für einen gesellschaftlichen Zustand, für Trostlosigkeit, Verlogenheit und Vorurteil. Dass man damit selbst schnell in die Klischeefalle gerät, beweist jetzt auch die verdienstvolle deutsche Erstaufführung am Theater Heidelberg.
«Rumor» ist das Produkt einer Postmoderne, die sich im Netz der Trivialität verfängt. Vordergründig ein Krimi, will die Oper hinter dieser Fassade ein Versuch über die Liebe sein. Und deren Unmöglichkeit in einer Dorfgemeinschaft. Adela wird erstochen. Sie hatte eine geheime Beziehung zu einem verheirateten Mann, der sie offenbar im Affekt tötete. Doch die Dörfler konstruieren ein ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alexander Dick
In «Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes» erzählt Friedrich Torberg unter anderem von einem Gast namens Soyka, der einst das Wiener Café Herrenhof in komplettem Reitkostüm mit Schaftstiefeln, Sporen und Gerte betrat. Worauf der Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar süffisant bemerkte: «Ich hab’ ja auch kein Pferd, aber so kein Pferd wie der...
Er ist aus der Mode gekommen, in den Hintergrund getreten. Graue Eminenz der kritischen Theorie, Großmeister geschraubter Dialektik, Scharfrichter über Wahrheit und Fortschritt, zumal in der Musik. Adorno war gestern. Übertönt vom Lockruf der Postmoderne: anything goes. Verdrängt von einem hedonistisch-liberalen Zeitgeist, dem das Asketisch-Rigorose, die...
Nach dem Konsens der Spätmoderne, den Thomas Macho in seinem Buch «Todesmetaphern» formuliert hat, können wir uns vom Tod kein Bildnis machen und über ihn nicht reden. Wer redet, lebt noch; die Toten aber schweigen. Und aus dem Land, aus dem noch niemand je zurückgekehrt ist, gibt es keine Bilder. Da klingt es nach Widerstand gegen denkerische Diktate, wenn die...
