Maerzmusiktheater

Das Berliner Festival für aktuelle Musik serviert Neues und Aufgewärmtes – darunter Werke von Mela Meierhans, Philip Glass, Enno Poppe und Johannes Kalitzke

Opernwelt - Logo

Nach dem Konsens der Spätmoderne, den Thomas Macho in seinem Buch «Todesmetaphern» formuliert hat, können wir uns vom Tod kein Bildnis machen und über ihn nicht reden. Wer redet, lebt noch; die Toten aber schweigen. Und aus dem Land, aus dem noch niemand je zurückgekehrt ist, gibt es keine Bilder. Da klingt es nach Widerstand gegen denkerische Diktate, wenn die Schweizerin Mela Meierhans einen «Jenseitsreigen» für Musiktheater schreibt, als sei die Bilderfeindlichkeit vorüber und das Feld für ein Spiel der Metaphern wieder frei.

Maerzmusik, das Berliner Festival für aktuelle Musik, hat alle Teile der «Jenseitstrilogie» uraufgeführt, 2006, 2010 und 2014. Doch tatsächlich wagte keiner ­einen Vorgriff auf die andere Seite. Jeder blieb im Diesseits, bei den Vorgängen des Sterbens und Trauerns.

Anschaulich und schön stieß Meierhans noch 2006 mit «Tante Hänsi» in ein exterritoriales Gebiet Europas vor: die Innerschweiz mit ihren bäuerlichen Bestattungsriten, die durch Wetter und Höhenlage natürlichen Zwängen unterworfen sind. Der Jodlerklub Wiesenberg eröffnete dem Publikum dabei eine Klangwelt, zu der globale ­Urbanisten normalerweise keinen Zutritt haben. Schon «Rithaa» über ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Brachmann

Weitere Beiträge
Thekentheater

Das Leben ist kein Ponyhof? Mag sein. Dafür ist die Opernbühne manchmal ein Bestiarium. Da findet man Ziege, Pferd, Hund und Katze und natürlich jede Menge Vögel, die nicht nur tirilieren, sondern sogar Wagner’sche Reime von sich geben können. Zu Titelrollen haben es aber nur wenige Tiere gebracht: Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» zum Beispiel, in diesem Spätwerk...

Buntes Treiben

Die Uraufführung der Volksoper «Die vier Grobiane» 1906 in München ­katapultierte den Deutsch-Italiener Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) in die Herzen des wilhelminischen Opernpublikums; in der Gunst der Kritiker rangierte sie gleichauf mit Werken von Richard Strauss. Drei Jahrzehnte später bescherte die (unerwiderte) Verehrung seitens der Herren Goebbels,...

Intervention des Gegenwärtigen

Festspiele sollen etwas Einmaliges, Außergewöhnliches, Nicht-Alltägliches sein. Ist dies in einer von den Medien beherrschten Zeit überhaupt noch möglich?
In Wien entsteht jedes Jahr ein im Kleid von Festwochen sich darstellendes Konstrukt aus Veranstaltungen – Theater, Oper, Konzert, Performance, Bildende Kunst –, die einem bestimmten Gedanken folgen. Wenn Sie so...