Der Weltgeist spricht deutsch

Gerhard R. Kochs monografische Skizze über Theodor W. Adorno

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Er ist aus der Mode gekommen, in den Hintergrund getreten. Graue Eminenz der kritischen Theorie, Großmeister geschraubter Dialektik, Scharfrichter über Wahrheit und Fortschritt, zumal in der Musik. Adorno war gestern. Übertönt vom Lockruf der Postmoderne: anything goes. Verdrängt von einem hedonistisch-liberalen Zeitgeist, dem das Asketisch-Rigorose, die kategorische, humorfreie Durchblickerhaltung dieses deutschen Weltgeistes fremd geworden war.

Nicht nur das Altern der Neuen Musik beschäftigt den musikphilosophischen Diskurs heute, sondern auch das Altern des adornitischen Denkens darüber.

Gut zehn Jahre nach der letzten, zu Teddies Hundertstem angestrengten Bilanz (darunter die monumentale Biografie von Stefan Müller-Doohm) bricht Gerhard R. Koch, langjähriger Musikchef im Feuilleton der FAZ und Autor dieser Zeitschrift, eine Lanze für die Aktualität des «pessimistischen Aufklärers». Auf knapp 200 Seiten skizziert Koch prägnant und mit kritischer Sympathie die Entwicklung eines großbürgerlichen Intellektuellen, der (nach Auschwitz) alle Hoffnung auf realhistorische Befreiung verlor, sich Widerstand gegen die schlechten Verhältnisse nur von den Künsten, einer «auf fortschrittliche ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Albrecht Thiemann

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