Schöne Bescherung
Ein bisschen «heile Welt» will er an den Grienericksee zaubern, der Neue. «Reine Schönheit» suchen auf Schloss Rheinsberg, wo einst der junge Friedrich mit den Musen flirtete. Im Park und in dem zurückgewonnenen Theaterhäuschen des Preußenprinzen Heinrich. Seit Herbst 2014 leitet Frank Matthus die Kammeroper, jene Sommerwerkstatt für den Sängernachwuchs, die sein Vater kurz nach der Wende gegründet und 23 Jahre lang geprägt hatte.
Das «Schöne», sprich: die harmonische Verbindung von (arkadischer) Natur, (historischer) Architektur und den Künsten war auch für Siegfried Matthus stets der ideelle Angelpunkt des kleinen Festivals in der märkischen Provinz. Alles wie gehabt?
Nein, nein, versichert Matthus junior. Neben wohlbekannten Werken wolle er jedes Jahr eine Uraufführung präsentieren. Nichts hochtrabend Avantgardistisches, sondern Stücke, die auch ohne Gebrauchsanleitung zugänglich sind. Mit Melodien und Arien und so. Der erste Auftrag ging an Elke Heidenreich (Libretto) und Marc-Aurel Floros (Musik): «Adriana» – junge Frau, von zwei Brüdern umworben, Mutter funkt dazwischen... – kommt im Schlosstheater heraus (Premiere: 31. Juli). Eröffnet wird die Saison mit Händels «Amadigi» ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...
Ach, es könnte so schön sein. Vom Dach des neuen Opernhauses sieht man Florenz wie auf einer Postkarte daliegen. Der Turm des Palazzo Vecchio, Giottos Campanile und die Kuppel des Domes, im Hintergrund die weiße Fassade von Santa Croce, wo Rossini begraben liegt. Das alles nicht so weit weg wie das Zentrum von Paris, wenn man es von der neuen Philharmonie aus...
Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden...
