Im Anfang war das Bett
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt anzunehmen, dass es da einmal eine Art Initiationserlebnis gegeben hat, eine Vorliebe wider die Norm. Denn abgesehen von der «Symphonie fantastique» residiert Berlioz eher am Rand des Kernrepertoires.
Die Oper freilich hat sich mehr und mehr geöffnet. Kaum jemand käme noch auf die Idee, dass man den Dichterfürsten Goethe gegen den «welschen Tand» von Gounod oder Massenet verteidigen müsste.
Es bringt also wenig, «La Damnation de Faust» an «Faust I» zu messen, den angeblichen Klassiker gegen «Schwarze Romantiker» auszuspielen. Schon Klaus Michael Grüber hatte in Paris Faust als Greis über die Bühne irren lassen, allen Jugend-, Forscher- und Tatendrang ausgebleicht. Daran erinnert fühlte man sich nun in Mannheim, wo der junge russische Regisseur Vasily Barkhatov die «dramatische Legende» einer frappierenden Neudeutung ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard R. Koch
Als ich damals anfing, bläuten mir die Kollegen ein, eine Ehe zwischen Opernsängern sei wie eine Expressfahrkarte in die Hölle. Ich heiratete eine Klarinettistin; der Bund ging trotzdem in die Brüche. Also pfiff ich auf gute Ratschläge und traute mich noch einmal – mit einer Opernsängerin. Und heute, fast zwanzig Jahre später, funktioniert es immer noch erstaunlich...
Wenn es auf dem Nachtkästchen schrillt, haben ja die meisten Probleme. Wälzen sich auf die andere Seite, betteln innerlich um eine weitere Minute, erreichen nur mühsam die Schwelle vom Traum zur Morgenrealität: Wie es wohl erst ist, wenn nicht sieben Stunden Ruhe hinter einem liegen, sondern vielleicht sieben Jahre? Und es dann nicht klingelt, sondern «der Wecker...
Così è (se vi pare) heißt es bei Luigi Pirandello: So ist es – wenn es Ihnen so scheint ... Dieses Stück von der Unmöglichkeit, objektive Wahrheiten zu finden, geht uns während dieser Aufführung von Mozarts «Le nozze di Figaro» im Theater an der Wien nicht aus dem Kopf. Denn Regisseur Felix Breisach verlegt das Geschehen der für ihn tiefschwarzen, düsteren (was...
