Großes Crescendo
Wenn es auf dem Nachtkästchen schrillt, haben ja die meisten Probleme. Wälzen sich auf die andere Seite, betteln innerlich um eine weitere Minute, erreichen nur mühsam die Schwelle vom Traum zur Morgenrealität: Wie es wohl erst ist, wenn nicht sieben Stunden Ruhe hinter einem liegen, sondern vielleicht sieben Jahre? Und es dann nicht klingelt, sondern «der Wecker kam», wie es später in der «Götterdämmerung» heißt? Nichts haben diese Szenen hier vom gewohnt majestätischen Erwachen Brünnhildes, viel dafür von Morgenmuffelei.
Herzlich gelacht wird in Nürnbergs Opernhaus über diese Pathosbrechung, darüber, weil man solches selbst zur Genüge kennt – und weil hier auch der Body-Mass-Index des Paares ironisch mitinszeniert wird: Sie stürzt sich mit gewichtigem Heroinen-Temperament auf einen, dessen Bäuchlein die rote Trainingshose überwölbt. Keine Alternative in Sicht, also muss es eben dieser Mann sein.
Ein «Intermezzo» sei der «Siegfried», so hat es Cosima Wagner einst über das Opus des Gatten notiert, ein Scherzo. In Nürnberg nimmt das Georg Schmiedleitner ziemlich wörtlich. Wobei seine Inszenierung mit Ladehemmungen startet. Der erste Aufzug verliert sich mit krampfig ausgestellten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
Kein Wunder, dass Edvard Grieg abwinkte. Das Libretto, das Maurice Maeterlinck 1899 schrieb, um seiner singenden Lebensgefährtin gute Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen, eignet sich kaum für eine Oper. Mythos auf Märchen getürmt; symbolistische Übersteigerung, abgefangen durch krass realistische Raum- und Regievorstellungen; Seelenschau statt Narration; die...
«Cher Christof», «Très chère Jennie», «Salut Christof» oder einfach nur «Salut!» – auf sechs Seiten und in sieben Briefen geht das so. Die gemeinsame Annäherung ans Werk, das Fragen, das Umkreisen von Figuren, Bedeutung und Gehalt: Große, ehrwürdige Vorbilder kommen einem da in den Sinn. Der aktuelle Fall, abgedruckt im Programmheft, versammelt die Korrespondenz...
Frau Kirchschlager, ist es schwieriger geworden für Berufsanfänger?
Viel schwieriger. Andererseits: Mein Lehrer, Walter Berry, hat mir dasselbe schon vor zwanzig Jahren gesagt. Es ist wohl eher so, dass sich die Anforderungen verändern. Aber ich fände es schon hart, diesen Kampf heute noch einmal aufzunehmen.
Was genau empfinden Sie als härter?
Früher gab es an den...
