Revolutionen, Obsessionen
Erinnert sich noch jemand? An die Zeiten, als es im Theater um Sein oder Nichtsein der kritischen Bewusstseinsbildung ging? Um Aufklärung und Erziehung des unmündigen Menschengeschlechts? Um eine Ästhetik des Widerstands gegen Herrschaft und Macht? Es sieht so aus, als sei die Schaubühne als pädagogische Anstalt, als Labor für die spielerische Erprobung sozialer Utopien Geschichte.
Mit dem Ende der Ideologien zerstob die (in West wie Ost lange virulente) Hoffnung, dass Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker ein Stück wahres Leben ins falsche zaubern könnten – und sei es «nur» in die Köpfe. Tempi passati. Heute, so scheint es, nach dem Ende aller geschichtsteleologischen Glaubensgewissheiten, geben die alten Befreiungsfantasien in Oper und Drama allenfalls Material für die postdramatische Puzzlearbeit her.
Die Sorge, dass die Sache mit der klassenlosen Gesellschaft, der Traum von einer selbstbestimmten, in solidarischer Gemeinschaft aufgehobenen Existenz des Einzelnen verspielt sein könnte, trieb viele Künstler um, die sich (zeitweilig) unter der roten Fahne sammelten. Exemplarischen Ausdruck fand dieser Zweifel nicht zuletzt im Werk Luigi Nonos. Mit der kommunistischen Partei ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Meldungen
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Eine italienische Villa, halb alt, halb neu. Ein Maskenball, bei dem sich nur die Hälfte der Gäste à la Watteau verkleidet hat. So wie auch dessen Gemälde in der Halle unvollendet ist und die Gastgeberin sich ausgerechnet das Pierrotkleid von dessen «Gilles» ausgesucht hat, der sonst melancholisch im Louvre trauert.
Michael Haneke, Europas gegenwärtig berühmtester...
