Waldweben
Da wird einer offenbar immer wieder von Neuem von der Magie Janáceks angezogen. Vor einem Jahrzehnt hat Regisseur Robert Carsen sich schon einmal dessen Opernfabel «Das schlaue Füchslein» gewidmet, damals an der Vlaamse Opera in Gent und Antwerpen. Was der Kanadier jetzt an der Elsässischen Rheinoper mit dem Stück anstellt, bietet keine grundsätzlich andere Sichtweise (warum auch?), aber womöglich eine noch poetischere.
Die Natur trägt in dieser Neuinszenierung einen vollkommenen Sieg davon.
Keine Hügellandschaft aus Kleidern diesmal: Carsens aktueller Bühnen- und Kostümbildner Gideon Davey zeigt den Wechsel der Jahreszeiten mit ihren selbstverständlichsten Insignien: Laub, Schnee, frisches Grün. Carsen ist immer ganz nah an Janácek, auch wenn es optisch nicht so scheinen mag. Statt sommerlicher Nachmittagssonne Herbststimmung mit herabfallenden Blättern, statt Herbstmittag Winterstille. Naturpoesie, getragen vom zyklischen Sog des Kommens und Gehens. Man bemerkt erst allmählich, was mit dem für diese Oper so wichtigen Topos Wald geschieht. Kein Baum, nirgends, und doch glaubt man sich, auch dank der beeindruckenden Lichtregie Carsens und Peter Van Praets, von fortwährendem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexander Dick
In einem Artikel über ihn lasen wir in einer Schweizer Zeitschrift einmal die schöne helvetische Wortschöpfung «Schubladisierung». John Eliot Gardiner hatte sich vehement gegen eine solche ausgesprochen, weigerte sich entschieden, mit dem Etikett eines auf Alte Musik fokussierten Spezialisten beklebt zu werden. «Das bin ich in dieser Ausschließlichkeit nicht, war...
Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen...
Im Sommer 2010 wurde Wolfgang Rihms Opernfantasie «Dionysos» bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, anschließend war die Inszenierung von Pierre Audi in den Bildern von Jonathan Meese in Amsterdam und in Berlin an der Staatsoper zu sehen. Jetzt hat sich das Theater Heidelberg als erste Bühne an eine Neuinszenierung gemacht – und arbeitet sich produktiv an...
