Reflektierter Spaß

Berlin | Komische Oper | Offenbach: La Périchole

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Von George Bernard Shaw wird erzählt, dass er sich im Lesesaal des Britischen Museums gleichzeitig über zwei Werke beugte, über «Das Kapital» von Karl Marx und über die «Tristan»-Partitur von Richard Wagner. Der Sozialist Shaw wollte in Wagner einen Rebellen gegen den kapitalistischen Zeitgeist erkennen. In der überraschenden Einleitung von Nicolas Stemanns Inszenierung der «Périchole» ruft ein Aktivist mit roter Fahne zu den Klängen des «Tristan»-Vorspiels die Arbeiter zum Widerstand gegen ihre Ausbeuter auf.

Dieser Appell ertrinkt aber sofort im Wirbel der Offenbach’schen Frohsinnsrhythmen. Die Handlung beginnt in den Tagen der Pariser Commune von 1871 und führt unvermittelt ins Heute, in die Scheinwelt einer TV-Show, die mit ihrer «Alles wird gut»-Ideologie die gesellschaftlichen und politischen Probleme hinwegzufegen versucht.

Kammerherr Panatellas und Gouverneur Don Pedro agieren hier als zwei wendige und windige Conferenciers, die alle Vorgänge schönreden, die drei «Cousinen» sind mal flachköpfige Nummern-Girls, mal Verwandte der Drei Damen aus der «Zauberflöte», schließlich Funktionärinnen einer modernen Diktatur. Stemann fügt mit gedanklicher und handwerklicher Bravour ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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