Bescheiden, wahrhaftig
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige Begegnung mit ihm. Und diese erfolgte, offen gesagt, nicht auf meine Initiative. Er selbst war es, der den Wunsch äußerte, mich zu Hause zu besuchen, um meine Werke kennenzulernen.
Damals war seine Musik dank des Engagements herausragender Interpreten wie Rudolf Barschai oder Lev Markiz relativ häufig in Konzerten zu hören. Unsere Generation bewunderte die Perfektion und Schönheit, die erlesene Raffinesse und den untadeligen Stil seiner Werke. Doch dass er die Werke der nachfolgenden Komponistengeneration kennenlernen wollte, war ein ganz besonderer Wesenszug seiner Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit, die nicht nur auf sich selbst fixiert, sondern für kompositorische Weiterentwicklungen offen war. Mein Treffen mit Weinberg war sehr bedeutsam, sehr vertraulich und wohlwollend. Er gehörte zu jenen künstlerischen ...
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