Flucht in den Dschungel
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein Kaleidoskop aus Tonhäppchen, Glocken, Schlagwerk-Episoden. Ferne Blaskapellenklänge wehen herein, zwei Vokalakrobaten hecheln und stöhnen sich die Seelen aus dem Leib.
Tremolierende Sänger ziehen Kisten vorbei, und wie von einem freundlichen Herrn in der Pause aufgefordert, irrt man durch den Kunst-Urwald. Eher schulterzuckend als gebannt: eine Begegnung mit dem Fremden? Mit der vielstimmigen, angeblich so beunruhigenden Natur?
«Amazonas» war das Prestige-Projekt der diesjährigen Münchener Biennale, die unter dem Motto «Der Blick des Anderen» für neue Perspektiven warb. Eine Mega-Uraufführung. Erklärte Krönung und Konzentration aller Anstrengungen. Mit vielen Kraftakten und noch mehr lobenswerten Vorsätzen entstand der 210-minütige Dreiteiler in der Reithalle am Rande des Stadtzentrums. Er widmete sich dem ausgebeuteten Urwald ...
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Der Irrweg eines gefeierten, dann vergessenen oder verschollenen, schließlich neu ausgegrabenen Künstlers oder Werkes kann faszinierend sein. Es muss jedoch in der ästhetischen Substanz der Stücke ein Mehrwert zugrunde liegen, der die Menschen in ferner Vergangenheit hinriss und nun den Nerv erneut trifft. Ob das bei Simon Mayr (1763-1845) auf Dauer der Fall sein...
Erich Wolfgang Korngolds bekannteste Oper scheint untrennbar verbunden mit der morbiden Atmosphäre der Stadt Brügge, Schauplatz des Romans «Bruges-la-morte» von Georges Rodenbach, der dem Libretto zugrunde liegt. Da geht Regisseur Philipp Himmelmann schon ein gewisses Risiko ein, wenn er in seiner Produktion an der Opéra de Lorraine auf jegliches Lokalkolorit...
Treffpunkt Foyer. Dann durch enge Gänge, über Kellertreppen, an Seiten- und Hinterbühne vorbei auf die Hauptbühne. Der Ausstatter Stéphane Laimé hat sie dem Basler Parkett nachgebildet. Wenn der Vorhang hochgeht, sitzen wir Mannsleute den Damen gegenüber, durch die beiden Formationen des La Cetra Barockorchesters und den Spielsteg getrennt. Eine Gegenüberstellung...
